In Amerika lernen die Mädchen und Jungen schon im Kindergarten Erste Hilfe. Zumindest ein bisschen Amerika kann auch hierzulande nicht schaden. Das sagten sich Mitglieder des Fördervereins des Großröhrsdorfer Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasiums und starteten eine Aktion. Drei Tage wimmelte es jetzt in der Schulaula von Mädchen und Jungen. Die übten auf Decken die stabile Seitenlage oder reanimierten Dummies mit Herzdruckmassage.

Die Anregung kam aus Elternkreisen. Der Hintergrund: Es kippen doch immer wieder mal Schüler um. Und auch Lehrer können in gesundheitliche Notlagen geraten. Dann sei es gut, wenn klar ist, was unternommen werden muss. Das sagte sich auch Schulleiter Ulrich Schlögel. Er habe sofort zugesagt. Was der Förderverein anpacke, habe Hand und Fuß. Jeder könne in eine Notsituation kommen und sollte so einen Kurs absolviert haben, erklärt Ulrich Schlögel. Zudem habe sich das DRK kostenlos und ohne lange zu überlegen, bereit erklärt, heißt es aus dem Förderverein. So standen Anfang der Woche gleich zwei Rettungswagen vor dem Gymnasium. Nicht wegen eines Notfalls, sondern, um für den Notfall zu trainieren. Ein Team aus der DRK-Rettungswache Radeberg rückte an. Notfallsanitäterin Luise Lösche, selbst Absolventin des Großröhrsdorfer Gymnasiums, erklärte gleich zu Beginn des Kursmarathons für über 600 Schüler den Achtklässlern ein paar theoretische Aspekte, wie die Hilfe zu organisieren ist: Das Bewusstsein prüfen, die Atmung kontrollieren gegebenenfalls die Reanimation einleiten oder die stabile Seitenlage, Hilfe rufen und, wenn nötig, den Notruf wählen.

Die Schüler übten an den drei Tagen Leben retten und sind jetzt wie Lara und Quyen zuversichtlich, helfen zu können. Mit der Herzdruckmassage klappte es schon gut. Die zu erlernen, dafür warb jetzt auch eindringlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er erinnerte außerdem an die moralische Verpflichtung zu helfen: „Jedes Jahr erleiden etwa 50.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Da kommt es auf die ersten Minuten an“, so Spahn. Umso mehr Menschen die Herzdruckmassage beherrschen würden, desto mehr Menschenleben könnten gerettet werden.

Eine Mitinitiatorin vom Förderverein und selbst Ärztin ist deshalb froh, dass sowohl DRK-Mitarbeiter als auch der Schulleiter sofort Ja gesagt hätten. Schließlich sei es ja auch eine Schule mit Zivilcourage. Die werde an der Schule gelebt und ebenso beim Retten von Leben gebraucht. Ob bei Klassenfahrten, im Skilager oder in der Öffentlichkeit: Überall können Ersthelfer gebraucht werden. Den Mut zu helfen, einzugreifen, sich für andere einzusetzen, sollen die Kurse vermitteln. Denn oft seien Sekunden entscheidend , um wichtige Lebensfunktionen zu erhalten und die Überlebenschance zu verbessern.

Der Ärztin gehees auch darum, in einem solchen Kurs, Mitmenschlichkeit zu vermitteln und die jungen Leute zu ermutigen „mit offenen Augen durchs Leben zu gehen“. Ein Merkblatt gibt den Mädchen und Jungen die wichtigsten Informationen an die Hand, wie im Notfall vorzugehen ist. Damit sollen die Schüler jetzt auch in ihre Familien gehen, wünscht sich die Ärztin. Denn auch dort können gute Ersthelfer im Notfall die Kohlen aus dem Feuer holen und den Erste-Hilfe-Gedanken weiter hinaus ins Rödertal tragen.