Der zweifache Olympiasieger im Rudern, Wolfgang Mager, war der Überraschungs-Gast im Unterricht des sportlichen Profils der 9. Klasse des Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasiums. Den Kontakt zu diesem besonderen Sportler hatte unser Profil-Lehrer, Herr Dörnbrack, schon vor längerer Zeit geknüpft.

Wir Schüler wussten nur so viel, dass uns ein Teilnehmer und somit Zeitzeuge der Olympischen Sommerspiele von 1972 in München präsentiert werden sollte. Aus dem Grund beschafften wir uns im Vorfeld Kenntnisse zu diesen speziellen Spielen.

Dann stand er plötzlich bereits in der Mittagspause in unserem Klassenraum. Wolfgang Mager, ein stattlicher Mann Mitte 60, erzählte erst einmal ein wenig über sich. Er wurde 1952 in Kamenz geboren und wuchs in Reichenbach auf. Sport prägte seine Kindheit, er spielte Fußball und war Mitglied in einem Leichtathletikverein.

Dann das wohl einschneidendste Ereignis in seiner Jugend: 1967 meldete er sich auf Drängen seines Vaters bei der DDR-Fernsehsendung „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“. Der Moderator Heinz Quermann suchte großgewachsene Jungen für die Rudersektion des SC DHFK in Leipzig.

Wolfgang Mager war schließlich einer von 500 Kandidaten, von denen 25 für das Rudern ausgewählt wurden. So kam er eher zufällig mit 16 Jahren nach Leipzig zum Leistungssport. Vier Jahre später qualifizierte sich Wolfgang Mager bereits mit seinem Ruderpartner Siegfried Brietzke im Zweier ohne Steuermann für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in München. Die beiden gewannen 1972 sensationell mit großem Vorsprung die Goldmedaille, Wolfgang Mager war mit gerade einmal 20 Jahren der jüngste Ruder-Goldmedaillen-Gewinner der DDR.

Am 5. September 1972, dem Morgen nach diesem Ruder-Triumph, verübten Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation „Schwarzer September“ einen bewaffneten Überfall auf die israelische Männer-Olympiamannschaft. Wolfgang Mager war live dabei, denn die DDR-Ruderer waren in einem Gebäude genau gegenüber den israelischen Sportlern untergebracht! Bei diesem Attentat verloren am Ende 17 Menschen ihr Leben, darunter waren alle elf männlichen Teilnehmer der israelischen Mannschaft. Wolfgang Mager und sein Ruderpartner konnten sich zum Glück in Sicherheit bringen. Jedoch bestand akute Lebensgefahr, da die Lage völlig unübersichtlich war und immer wieder geschossen wurde. Mager schilderte uns die Ereignisse dieser Nacht so lebhaft, als sei es erst gestern gewesen.

Mager und Brietzke wechselten zwei Jahre später schließlich beide zum Ruder-Vierer. Mit der Besetzung Siegfried Brietzke, Andreas Decker, Stefan Semmler und Wolfgang Mager gewannen sie bei den nächsten Olympischen Spielen 1976 in Montreal erneut die Goldmedaille.

Kurz vor seinen dritten Olympischen Spielen 1980 in Moskau musste Wolfgang Mager auf Grund einer durch Fremdeinwirkung erlittenen Verletzung seiner linken Hand leider passen. Diese Verletzung war letztendlich auch der Grund für das abrupte Ende seiner überaus erfolgreichen Laufbahn als Leistungssportler.

Wolfgang Mager erinnert sich heute noch gern an die Spiele in München. Er schilderte ein sehr friedliches und harmonisches Zusammenleben von Sportlern der verschiedenen Nationen im Olympischen Dorf. Die Idee der Völkerverständigung des Gründervaters der modernen Spiele, Pierre de Coubertin, sah er trotz der traurigen Ereignisse vor allem in München 1972 verwirklicht. Wolfgang Mager wünscht sich, dass dies auf politischer Ebene auch heute überall so sein könnte. Seiner Meinung nach soll der Sport Selbstbewusstsein, Bescheidenheit, Fairness, Respekt und Realitäts-Sinn vermitteln. Wolfgang Mager hat versucht, diese Attribute in seiner späteren beruflichen Laufbahn an junge Menschen weiterzuvermitteln. Er ist enttäuscht über einige von gegenwärtigen Hochleistungs-Sportlern, bei denen ganz offensichtlich nur Egoismus, Arroganz und Geld im Vordergrund stehen.

Wolfgang Mager hat bei mir einen sehr bodenständigen und sympathischen Eindruck hinterlassen. Sein Besuch war sehr interessant, informativ und spannend.