Die Nord- & Ostseeküste
  1. Die Nordsee
    1. Allgemeines über die Nordsee
    2. Entstehung der Nordsee
    3. Küstenformen
    4. Watt
    5. Gezeiten
    6. Küstenschutz
    7. Landgewinnung
    8. landwirtschaftliche Nutzung
  2. Die Ostsee
    1. Allgemeines über die Ostsee
    2. Entstehung der Ostsee
    3. Küstenformen
    4. Küstenschutz
    5. Boden des Küstenraums und dessen landwirtschaftliche Nutzung
  3. Vergleich zwischen Nord- & Ostsee
  4. Definitionen
1. Die Nordsee


1.1 Allgemeines über die Nordsee

Die Nordsee gehört zu den flachen, fischreichen Randmeeren des Atlantischen Ozeans.
Lage zwischen 51° und 61° N; 4° W und 9° O
Größe bzw. Fläche 575.000 km²
Anrainerstaaten Deutschland
Dänemark
Norwegen
Großbritanien
Niederlande
Belgien
Tiefen mittlere Tiefe: 94m
Tiefe der Deutschen Bucht: 20m
tiefste Stelle: 238m
flachste Stelle (Doggerbank): 13m
Salzgehalt 35% nördl. Nordsee
32% Deutsche Bucht
an Flußmündungen schwach salzig

Verbindungen besitzt die Nordsee im Norden durch die Straße von Dover mit demAtlantik und durch Skagerak und Nord-Ostsee-Kanalwird die Nordsee mit der Ostsee verbunden.

1.2 Entstehung


zeitliche Entstehung der Nordseeküste

Die Entstehung der Nordsee begann mit der Saalevereisung (230.000 bis 110.000 vor Chr.). In dieser Zeit wurde eine ca. 500m dicke Schicht durch die Moränen abgelagert. Diese Schicht bildet den bis heute erhaltenen Kern von Sylt, Amrum und Föhr.
In der Weichselvereisung (90.000 bis 10.000 v. Chr.) entstand zwischen England und Europa eine Festlandsbrücke. Im Gebiet der Nordsee oder der Nordseeküste waren während der Vereisung keine Gletscher. Somit konnte sich aus dem Material (Sandmassen und Kies), welches durch Schmelzwasser transportiert wurde, der heute höhergelegene Geestrücken entwickeln (Ableitung von güst = trocken, überwiegend Sandböden, gehobenes Land gegenüber Marsch). Südöstlich der Doggerbank konnte sich ein großflächiger Schmelzwassersee bilden.
Während der Flandrischen Transgression (7000 bis 5000 v. Chr.), Überflutung des Landes durch das Meer, wurde das Land zwischen England und Europa durch eine Absenkung des Meeresbodens überschwemmt. Dadurch konnten Sandstein und Konglomeraten entstehen. Die Nordsee vereinigte sich durch die Überflutung mit dem Atlantik auf Höhe der holländischen Insel Texel.
Weitere Ausformung der Nordseeküste erfolgte nun nur noch durch:
- einzelne Sturmfluten
- Gezeiten
- Meeresspiegelanstieg und -schwankungen (damals rund 100m unter NN)

1.3 Küstenformen

Die unterschiedlichen Küstenformen wurden durch
- Eiszeiten (Saalever.: Wirkung der Moränen; Weichselver.: Schmelzwasserströme)
- Meeresspiegelschwankungen und Gezeiten
- einzelne Sturmfluten
- Eingriff des Menschen in die Gestaltung und Erhaltung der Küstenlinie in Form von Deichbau und Neulandgewinnung gebildet.

1. Trichtermündung Die Trichtermündung erhält ihren Namen durch ihre Form.
Entstehung:
Diese Küstenform entsteht durch Gezeitenströmungen, an den Stellen, wo Flüsse weniger Material akkumulieren als Ebbe und Flut abtragen können.
Bsp.: Elbe, Weser, Ems
Trichtermündung, auch Ästuar genannt
2. Steilküste Die Steilküste wird auch Kliff genannt.
Entstehung:
(am Bsp. von Helgoland)
Vor ca. 225 Millionen Jahren gab es an Stelle der Nordsee ein salziges Binnenmeer, das Zechstein-Meer. Durch Verdunstung des Wassers blieb das Salz zurück und es entstanden bis zu 500 m dicke Salzlager. Auf diese Salzschicht lagerte sich in Trias, Jura und Kreide eine etwa 700 m dicke Schicht aus Ablagerungen auf. Durch Druck und Pressung entstand aus diesen Ablagerungen Bundsandstein. Die Salzschicht, die darunter lag, war dem Gewicht nicht gewachsen und sackte ab. Während der Eiszeit kam es zu Hebungen und Senkungen von Land und Meer. Die Deckschicht (Bundsandstein) kippte und das Salz drängte nach oben. Dadurch ist das Kliff auf Helgoland entstanden. Ein weiteres Beispiel wäre die Steilwand auf Sylt.
z.B.: Lange Anna bei Helgoland
3. Bucht Die Bucht ist eine Einbiegung an einer Tiefenzone an der Küste.
Entstehung:
Die Bucht ist durch die Eiszeit entstanden. Später wurde sie durch Sturmfluten und Gezeiten vergrößert, durch Landgewinnungsmaßnahmen des Menschen verkleinert. So entstand das heutige Erscheinungsbild.
Bsp.: Dollart und Jadebusen
Bucht, wie z.B. der Dollart oder Jadebusen
4. Nordfriesische Inseln Diese Inseln sind Reste des ehemaligen Festlandes. Im 13 Jhd. wurde der nordfriesische Raum durch Sturmfluten stark zerklüftet. Zusätzlich kam es aber auch durch niedrige Deiche und Torfabbau zur Austrocknung und Absackung des Bodens. Die Landteile die unter NN lagen wurden überflutet. Die Auflösung in einzelne Inseln und Halligen und des Festlandes passierte durch ca. 10 große Sturmfluten. Heute sind nur noch 10 Halligen, 4 Inseln und 1 Halbinsel vorhanden.
5. Ostfriesische Inseln Diese Inseln im Gebiet der südlichen Nordsee sind noch sehr jung. Die Ankunft der Nordsee an den höhergelegenen ostfriesischen Geestrand erfolgte vor ungefähr 4500 Jahren. Vom Geestrand bis zur heutigen Linie der Inseln fällt der Meeresboden leicht ab. Bei Flut kommt es zur Anschwemmung von gewaltigen Sandmassen, die bei nachlassender Wellenenergie zur Entstehung von Sandwällen oder Riffen beitragen. Bei Ebbe fallen diese Gebiete trocken und der Sand kann durch den Wind zu Dünen verfrachtet werden. Es kommt nun zur Anhäufung von immer mehr Sand im Wind- und Strömungsschatten der Inseln. Durch eine dichter werdende Pflanzendecke kommt es zu Verfestigungen. Eine Insel kann sich bilden. Die ostriesischen Inseln wandern von Westen nach Osten, da an der Westseite die Abtragung des Sandes erfolgt und im Wind- und Strömungsschatten (Ostseite) die Ablagerung erfolgt. Zwischen den Inseln bilden sich große Priele, die sogenannten Seegaten.
1.4 Watt

Das Watt ist ca. 6000 bis 8000 Jahre alt. Es enthält Minerale und organische Stoffe. 1300 n. Chr. waren große Teile des Wattes noch Land. Durch Sturmfluten und Meeresspiegelanstieg entstand allmählig das Watt. Während der Eiszeiten wurden Schlick und Sand abgelagert. Das ostfriesische Watt ist ca. 5-7 km breit, das Watt von Jade bis Eider 10-15 km und das nordfriesische Watt ist sogar 15-20 km breit. Das Watt wird von vielen Prielen durchzogen, die ca. 1/3 der Wattfläche bedecken. Dieses sogenannte Prielsystem fällt bei Ebbe nicht trocken.

1.5 Die Gezeiten - Ebbe und Flut

Die Gezeiten entstehen durch die Gravitationskraft von Erde, Mond und Sonne. Dabei ist die Anziehungskraft des Mondes größer als die der Sonne (nur ca. 40% der Anziehungskraft des Mondes), da der Mond wesentlich näher an der Erde ist. Wenn der Mond nun über einen bestimmten Punkt ist, wirkt die starke Anziehungskraft des Mondes, sodass dort ein Wasserberg (Zenitflut) entsteht. Die Wasserfläche, die am weitesten vom Mond weg ist bildet ebenfalls einen Wasserberg (Nadirflut). Dieser entsteht durch die Fliehkraft und die Rotationskraft von Erde-Mond. Somit ist in zwei Gebieten gleichzeitig Flut. Die Gebiete die zwischen beiden Flutbergen liegen haben Ebbe. Die Gezeiten, Ebbe und Flut, wechseln sich ab, sodass an einem "Mondtag" meistens zweimal Ebbe und Flut eintreten. Da ein Mondtag nicht genau 24h beträgt, kommt es zu Verschiebungen der Hochwasserzeiten in einem Gebiet. Die Sonne hat eigentlich nur einen geringen Einfluß auf die Gezeiten. Sie verstärkt oder vermindert die Gezeitenhöhe, in Zusammenwirkung mit dem Mond. Bilden zum Beispiel Sonne, Erde und Mond eine Linie (Voll- und Neumondperiode) addieren sich die Gravitationskräfte von Sonne und Mond, es kommt zur Springtide. Stehen aber Sonne und Mond in Bezug auf die Erde im rechten Winkel kommt es zur Nipptide. Weiterhin werden die Gezeiten durch die Verteilung von Land und Meer, Art der Meere (offener Ozean, Randmeer, Binnenmeer) und durch die Form der Küste beeinflußt.
Darstellung des Einflußes von Sonne und Mond auf die Gezeiten

1.6 Küstenschutz

Der Küstenschutz erfolgt in Form von:
1. Deichbau: Der Deich hat eine Breite von ca. 100 m mit einer Höhe von knapp 9 m. Das heutige Festland wird durch mehrere Deichreihen geschützt.
2. Dammbau: Der Damm ist eine Barriere gegen küstenparallele Strömungen. Er fördert die Sedimentation. Beispiele sind Hindenburgdamm, Damm nach Oland, nach Langneß und nach Nordstrandischmoor.
3. Speerwerke wie das Eiderspeerwerk
4. Halligen: Durch Halligen wird die Wellenenergie verringert, was besonders wichtig bei Sturmfluten ist.
5. Landgewinnung: Durch Landgewinnungsmaßnahmen kommt es zur Brechung der Wellen und zur Verringerung der Wellenenergie.

1.7 Landgewinnung

Die Landgewinnung erfolgt an der Nordsee durch den Bau von Lahnungen. Diese sind ca.400x400m groß und bestehen aus einer Doppelreihe von 2m langen Holzpfählen im Abstand von ca.40cm, die in den Wattboden gehauen werden. In diese sogenannten Schlickfänger wird anschließend Reisig in den Zwischenräume festgetrampelt und schließlich das ganze mit Draht befestigt. Wenn es bei der Flut zum Stillstand des Wassers kommt, lagert sich Schlick ab. Diese Ablagerung erfolgt Schicht auf Schicht (3cm jährlich). Wenn es zur Aufschlickung des Wattes bis zu 50cm unter dem mittleren Hochwasser gekommen ist, beginnt die Ansiedlung von ersten Pflanzen, wie Queller und Schlickgras. Ist es bis zur Aufschlickung von 30cm unter dem mittleren Hochwasser gekommen, werden Grüppen ausgehoben. Zwischen diesen Grüppen, die im Abstand von 10m und mit einer Breite von 2m und 1m Tiefe ausgehoben werden, wird der Schlick auf die 6-8m breiten Beete aufgeschichtet. Dadurch kommt es zur schnellen Ansiedlung von Pflanzen, die den Boden durch ihre Wurzeln festigen. Dieser Aushub wird etwa 5-7 mal wiederholt. Mit der Zeit sind bald keine Lahnungen mehr erkennbar und der normale Tidenhub kann das Gebiet nicht mehr erreichen, es ist Neuland (Marsch) entstanden. Durch Regen wird das Salz aus den Salzwiesen, die entstanden sind, ausgespült und es können sich neue Pflanzenarten ansiedeln. Wenn die Fläche des Neulandes groß genug geworden ist und gute Bodenverhältnisse bestehen, wird diese Fläche eingedeicht, es entsteht ein Koog.

1.8 Landwirtschaftliche Nutzung

Nach der unternommenen Eindeichung beginnt die Entwässerung des Bodens, damit dieser für die Nutzung als Weide- oder Ackerland in Frage kommen kann. Bei der Weide, die hauptsächlich durch Rinder und Schafe genutzt werden, ist keine tiefe Entwässerung nötig. Schafe werden vor, auf und hinter dem Hauptdeich gehalten. Sie halten die Grasnarbe kurz. Dadurch, dass die Schafe das Gras nicht mit der Wurzel ausreisen und sie leicht genug sind, dass die Grasnarbe nicht verletzt wird, können sie in diesem Gebiet Problemlos gehalten werden. Die Rinder werden auf Grund ihres höheren Gewichtes mehr landeinwärts gehalten, meist hinter dem zweiten Deich. Der Ackerbau besteht vorwiegend aus Getreideanbau (Weizen). Dafür ist aber eine tiefe Entwässerung und eine gute Durchlüftung des Bodens nötig. Die Entwässerung erfolgt hierbei durch ein Grabensystem, dass das Wasser zu den Sielen leitet. Das Wasser läuft dann durch die Sieltore, die sich im Deich befinden in die Nordsee.



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zuletzt geändert am 31. 03. 2003