Methodenkompendium: Demokratieerziehung an Schulen
Teil 2: Ansätze für soziales Lernen

Ansatz 2: Projekte zum handlungsorientierten Lernen – Nachnutzungsangebote

zum Start der Ansätze für soziales Lernen
Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens
Projekte zum handlungsorientierten Lernen
So ein Theater mit der Demokratie - Forumtheater
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Projekte zum handlungsorientierten Lernen

Zur Mitwirkung befähigen – Auftaktworkshops Schülerrat

Die Schule ist das Lernfeld, um zu üben, wie man sich später in der anspruchsvollen Lebensform DEMOKRATIE bewähren kann.

Edwin Achermann

Kinder haben das Recht auf Anhörung in allen Angelegenheiten, die sie betreffen. Dies gilt besonders auch für den Lebensbereich Schule. Wenn die Schule mündige und demokratische Menschen bilden will, kann sie das nicht als Schulfach belehrend vermitteln. Demokratie lässt sich nur im Umgang mit der gelebten Realität erfahren. Daher ist die Mitbestimmung von Schülern ein unverzichtbares Element für eine demokratische Schulentwicklung. Wenn Demokratisierungseffekte sich nicht als Unterrichtsfach vermitteln lassen, so sind doch handlungsorientierte Lernformen geeignet, diese Effekte zu fördern und den Umgang mit Demokratie zu erfahren und zu erproben. Diese aktivierenden Ansätze sind erfahrungsgemäß zweckdienlich bei der Aktivierung der Schülerräte. Auftaktworkshops zu Schuljahresbeginn stellen eine sinnvolle Methode zur Aktivierung des Mitbestimmungswillens von Schülerräten dar.

In vielen neuen Lehrplänen wird die Beteiligung der Schüler eingefordert. Begriffe wie soziale Kompetenz, Eigenverantwortung, Kompromissbereitschaft oder demokratische Instrumente werden nicht mehr nur trocken doziert, sondern erhalten als Teil einer erlebbaren und über den Schulalltag hinaus wirksamen Bildung im Leben aller Beteiligten eine konkrete Bedeutung. Jugendliche müssen als eigenständige Subjekte betrachtet und als Persönlichkeiten gestärkt werden. Partizipation heißt, Jugendlichen die Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übertragen und sie schon früh mit Lerntechniken, Problemlöseverfahren und Hilfsmitteln in Kontakt zu bringen. Jugendliche ab 14 Jahren haben Fähigkeiten und Strukturen zum Abstrahieren entwickelt. Sie können damit in subjektiven und allgemeinen Kategorien denken. Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität sind Fähigkeiten, die die Wirtschaft von Schulabgängern erwartet. Diese können in einer Schule mit partizipativen Ansätzen wesentlich besser gefördert werden.

Eine Möglichkeit Partizipationsprojekte einzuordnen, zeigt Richard Schröder in seinem Buch „Kinder reden mit“ auf, in dem er verschiedene Arten oder Stufen von Mitbeteiligung bestimmt. In aller Kürze lässt sich das Stufenmodell wie folgt verstehen:

Der Schülerrat darf nicht nur im Klassenkontext eine aktivierende Rolle spielen, er muss gleichwohl im Schulumfeld verankert werden. Diese mehrgliedrige Aufgabe muss detailreich geplant und umgesetzt werden. Dazu gehören eine Vielzahl von prozessualen Abläufen. Von denen sind die aktivierenden Auftaktworkshops für Schülerräte nur ein Teil. Trotzdem ist es wichtig, bei der Planung nachfolgende Dimensionen einzubeziehen:

Jugendliche sind nicht gleich Jugendliche. Jungen und Mädchen haben nicht immer die gleichen Bedürfnisse. Während Mädchen oft mehr Wert auf soziale Kontakte und Rückzugsmöglichkeiten legen, verlangen Jungen mehr Raum und Möglichkeiten Bewegungsdrang auszuleben.

Jugendliche haben einen anderen Umgang mit der Zeit. Die Planung eines Projektes soll überschaubar und zudem dem jugendlichen Zeitgefühl angepasst sein.

Jugendliche drücken sich anders aus als Erwachsene. Sie orientieren sich häufig an bereits Bekanntem. Es fällt ihnen schwer, sich von der Realität zu lösen. Kleinigkeiten haben für sie oft große Bedeutung. Um neue Ideen zu entwickeln, brauchen sie Anregungen, sei es durch die Nutzung neuer Medien in den Workshops oder durch die methodische Interaktion anhand von Übungen mit erlebnisorientierten Kontexten. Praxisorientierte Themen sind relevant für Auftaktworkshops. Nur so lassen sich erste Schritte der Selbstbestimmung aus den entwickelten Maßnahmeplänen ableiten. Realitätsnahe Methoden sind geeigneter als abstrakte. Das gilt ebenfalls für Pläne und Modelle.

Nicht alle Jugendlichen haben den gleichen Anspruch, was das Mitmachen betrifft. Zur Partizipation gehört deshalb ein gewisser Grad an Freiwilligkeit. Beteiligung erfolgt nie diktiert. Methoden in der Partizipation ermöglichen es Jugendlichen, ihre Meinung mit anderen auszutauschen. In den Workshops sollte also die Moderation nicht die eigene Meinung ausdrücken. Eine offene Form des Workshops bietet den Jugendlichen mehr Möglichkeiten, sich mit den Themen und Inhalten auseinander zu setzten.

Um die vorangestellten Gedanken wirksam in die motivierenden Auftaktworkshops für Schülerräte einfließen zu lassen, ist es sinnvoll, verschiedene Methoden einzusetzen.

Die Methoden haben sich in anderen Bereichen (Zukunftswerkstatt) bewährt und finden auch hier ihre zweckdienliche Anwendung. Bewusst eingesetzt, unterstützen sie auch Partizipationsprozesse.

Interviews sind ein geeigneter Auftakt für einen derartigen Workshop. Jugendliche führen in Paaren oder in Gruppen eine Interview zu verschiedenen Fragestellungen und machen sich so miteinander vertraut. Eine Abwandlung ist der Interviewstreifzug. Die Schüler führen einen Interviewer mit Mikrofon und Aufzeichnungsgerät durch das Schulgebäude und es werden Fragen zu verschiedenen Themen gestellt.

Zum Beispiel:

Foto- und Videoporträts dienen in der Schülersprecheraktivierung dazu, den Schülern eine Plattform zu bieten, sich mit Hilfe der neuen Medien im Schulkontext vorzustellen und als Verantwortungsträger bekannt zu machen.

Collagen/Zeichnungen/Skulpturen als Form der Realitätsdarstellung haben manchmal mehr Aussagekraft als Fotos oder Videos. Videos sind für Jugendliche im ersten Moment am attraktivsten, sie verleiten aber gleichzeitig zu Oberflächlichkeit. In Zeichnungen, Collagen und anderen bildlichen Darstellungen lassen sich Wünsche, Gefahren usw. von ihrer Bedeutung her besser, mit mehr „Tiefgang“ abbilden. Dabei ist es sinnvoll, verschiedene Techniken zu erlauben, damit die Mitteilungslust der Jugendlichen möglichst geweckt wird.

Aufsätze sind als Form des schriftlichen Ausdrucks eher für ältere Jugendliche gedacht. Jüngere und Fremdsprachige sind in ihren Aussagemöglichkeiten eingeschränkt und daher benachteiligt.

Rollenspiele ermöglichen es, Gedanken und Gefühle über den Körper und die Bewegung auszudrücken. Je nach Wunsch kann pantomimisch oder mit Sprachgebrauch gespielt werden.

Auftaktworkshops
Ziel der Workshops ist es, durch die Kombination von gemeinsamen Erlebnissen und kreativen Arbeitsprozessen, Zugang zueinander zu finden, die Rollen als Vertreter aller Schüler zu reflektieren und eine aktive Teilnahme an den Prozessen des Schulalltags zu entwickeln. Gemeinsam soll an Selbstdarstellungen in Form von bspw. Präsentations- und Kontaktboards gearbeitet werden. Die Workshops sollen in erster Linie Begegnung und Austausch ermöglichen, um mehr Aufmerksamkeit und ein besseres Verständnis für einander zu entwickeln. Weiterhin beinhalten die Auftaktworkshops die Vermittlung grundlegenden Wissens über die Rechte und Pflichten der Schülervertreter, Erarbeitung zentraler Ziele für das folgende Schuljahr und die Erstellung eines Maßnahmeplans sowie Rollenspiele zu Handlungssicherheit und Informationsmöglichkeiten gegenüber Lehrern und Klasse.

Oftmals werden die Schüler mit erlebnispädagogischen Problem- und Konfliktaufgaben konfrontiert, die es in der Gruppe zu lösen gilt. Dabei soll der Zusammenhalt und die Stärken des Einzelnen in der Gruppe gefördert, aber auch Konfliktmomente aufgezeigt werden. In der zweiten Arbeitsphase der Workshops erfahren die Teilnehmer digitale Technik als Mitteilungs- und Ausdruckselemente einzusetzen. Kommunikationskompetenz wird aktiv trainiert, um Interessen zu vertreten und Meinungen kundzutun. Dabei werden besonders Formen der Kommunikation erarbeitet, die Bilder als Sprachrohr und Mitteilungsinstrument nutzen. Über der Zukunftswerkstatt oder dem OpenSpace entlehnte Methodenelemente werden Wünsche und Ziele für das kommende Schuljahr entwickelt und verbindliche Vereinbarungen getroffen.

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