Methodenkompendium: Demokratieerziehung an Schulen
Teil 2: Ansätze für soziales Lernen

Ansatz 2: Projekte zum handlungsorientierten Lernen – Nachnutzungsangebote

zum Start der Ansätze für soziales Lernen
Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens
Projekte zum handlungsorientierten Lernen
So ein Theater mit der Demokratie - Forumtheater
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Projekte zum handlungsorientierten Lernen

Partizipationskultur stärken – Coaching Schülerrat

Die grundlegende Bedeutung von Beteiligungs- und Mitsprachemöglichkeiten an der Schule ist in zahlreichen Studien zur Schulklimaforschung und schulischen Umgangsformen eindrucksvoll belegt worden. Beispielhaft soll im Folgenden die Konklusion zum Thema Partizipationskultur aus einer Studie des Zentrums für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung der Martin-Luther-Universität Halle zitiert werden. „Die Partizipationskultur an einer Schule kennzeichnet, das zeigt die Bedeutung dieser Dimension des Schulklimas in all unseren Analysen, ganz wesentlich die schulischen Umgangsformen. Schulen, an denen die Gremien der Schülervertretung aus Sicht der Schüler eine große Bedeutung haben, sind weniger durch Ausländerfeindlichkeit und Gewalt belastet, als Schulen, an denen diese Gremien aus Sicht der Jugendlichen keinen wirklichen Einfluss haben. Auch die politische Beteiligung der Jugendlichen ist hier, das ist aus der Schulklimaforschung bekannt, allgemein höher. Ebenso verhält es sich mit der Schulfreude. Man geht lieber an Orte und zu Veranstaltungen, über deren Gestaltung man mitbestimmen kann. Dabei vermittelt sich die Fähigkeit zur Beteiligung an Entscheidungsprozessen nicht von selbst. Schüler müssen lernen, eigene Entscheidungsspielräume als solche wahrzunehmen und zu nutzen. Jedoch ist Partizipation kein Allheilmittel, vor allem dann nicht, wenn Einflusschancen nur scheinbar bestehen. Partizipation von Schülern bedeutet die Aufgabe des Alleinentscheidungsanspruchs der Lehrerschaft über schulische und auch unterrichtliche Fragen.“ 1

Wenn der schulischen Partizipationskultur, den Formen und qualitativen Ausmaß der Mitsprache und Einflussnahme durch die Schüler eine solch hohe Bedeutung für das Schulklima zukommt, so besteht eine ganz wesentliche Aufgabe in der Bestärkung und Ermutigung zur Einmischung, aber auch in der tatsächlichen Befähigung der Schüler für diese Aufgabe. Dies bedeutet im schulischen Alltag einen erhöhten Begleitungsaufwand der Schülervertretungsgremien, um Fähigkeiten zu vermitteln und die Wahrnehmung von Entscheidungsspielräumen und Gelegenheiten der Positionierung und Interessenvertretung zu verbessern. Die Stärkung der Schülervertretungsgremien kann dabei jedoch nur der Anfang sein. Letztlich müssen demokratische Schulen durch eine lebhafte Alltagskultur der Beteiligung und Mitsprache auf möglichst zahlreichen schulischen und unterrichtlichen Feldern gekennzeichnet sein – in der Schülervertretung, im Unterricht und auf dem Pausenhof, in den Gremien der Lehrer- und Elternschaft. Dabei darf dieser Prozess nicht als Erosion der Lehrerrolle, nicht als schleichende Aufgabe eigener Autorität oder Befugnisse missverstanden werden. Vielmehr ist Partizipation durch ein gegenseitiges, ein doppeltes Verhältnis gekennzeichnet. Wer mitreden will muss sich auch einbringen, sich informieren und diskutieren. Wer mitentscheiden will muss auch mitverantworten, muss Mehrheiten bilden und Kompromisse demokratisch aushandeln und aushalten können. Somit läuft eine Stärkung demokratischer Mitsprache und Mitwirkung immer auf den Aufbau einer schulischen Verantwortungsgemeinschaft hinaus, welche letztlich entlastende, demokratisierende und bildende Wirkung hat.

Als Meilenstein in diesem Prozess hat sich in der Praxis des BLK-Modellversuchs „Schulleben und Unterricht demokratisch gestalten“ die Stärkung der Schülervertretung erwiesen, um eine wahrnehmbare Interessenvertretung zu organisieren und die Basis für eine Partizipationskultur zu schaffen.

Das Engagement im Schülerrat bietet eine Reihe von Lernmöglichkeiten, die, gerade weil auf Leistungsbewertung verzichtet wird, nur aus individueller bzw. gruppenbezogener Motivation heraus genutzt werden. Allerdings werden die Schülerräte, sieht man von zum Teil sehr engagierten Vertrauenslehrer/inne/n ab, oft recht alleine gelassen, was Konzeption, Planung, Organisation und Evaluation ihrer gemeinsamen Tätigkeit angeht.

1 Aus: Handlungsempfehlungen für die Schule. Ergebnisbericht aus dem Forschungsprojekt „Jugend und Demokratie in Sachsen-Anhalt“. www.zsl.uni-halle.de/sachsen-anhalt-studie/material/HE-schulen.pdf
06.07.06

Coaching des Schülerrats

In Form kontinuierlich stattfindender Arbeitstreffen erfolgt eine Begleitung und Unterstützung des Schülerrats. Dabei geht es neben der Vermittlung sozialer und methodischer Kompetenzen (freies Sprechen vor der Gruppe; Kleingruppen- bzw. Teamarbeit; Moderation & Visualisierungstechniken; Protokollierung; selbstständiges Erarbeiten komplexer Sachverhalte) vor allem um die Mitgestaltung und Mitbestimmung der Schul- und Lernkultur, vermittelt über das Gremium Schülerrat. Die Werkstätten verkörpern somit einen Doppelcharakter. Zum einen sind sie Struktur und Medium der Partizipation, in dem der Schülerrat Themen und Probleme aufwirft, bearbeitet, geeignete Lösungen entwickelt und umsetzt. Zum anderen öffnen die Werkstätten Räume zur Diskussion über andere Formen von Partizipation in und Öffnung von Schule jenseits des bereits etablierten Gremiums Schülerrat. Die Auswirkungen der eigenen, demokratisch getroffenen Entscheidungen werden für die Schüler im Schulalltag erlebbar und Partizipationsprozesse werden als Medium nichtformaler Bildung innerhalb der Schule schrittweise gestärkt und etabliert.

Durchführung

Ein externes Coaching lässt sich mit 4 Werkstätten je Schuljahr realisieren. Alle Werkstätten sollten in einem Steuergruppentreffen (Vertreter des Schülerrats, Vertrauenslehrer/in, Coach) inhaltlich vorbereitet werden. Die Treffen dienen der Feststellung der gegenseitigen Erwartungen und der Festlegung von Zielen für die Werkstatt. Die Werkstätten selbst konzentrieren sich auf thematische Schwerpunkte und werden inhaltlich durch die Schüler getragen und bestimmt. Zielstellung ist jeweils die Arbeit an konkreten Themen, die gegenseitige Ergebnis präsentation sowie die Vereinbarung konkreter Maßnahmen und Arbeitsaufträge (Maßnahmeplan). Zwischen den Werkstätten erfolgt die Begleitung des Schülerrates durch die/den zuständige(n) Lehrer/in. Im zweiwöchigen Turnus finden Arbeitstreffen statt, in welchem die Ergebnisse und Aufträge anhand des Maßnahmeplans abgeglichen werden und die Mitglieder des Schülerrats in einem selbstbestimmten Controllingprozess die Umsetzung ihrer Ziele überwachen.

Inhalte

Grundsätzlich sollten die Werkstätten bzw. Seminare das Ziel haben, dass die Schüler ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten erkennen, um daraus ableitend diese für die gemeinsame Arbeit im Schülerrat nutzbar zu machen. Oftmals nachgefragte Inhalte der Workshops bestehen vor allem in den folgenden Themen- und Fragestellungen:

Mögliche Methoden

Vermisstenanzeige

Namensalphabet

Blindes Porträt – Kreuz und Quer

Paarinterview

Brainstorming

Rubrizieren

Marktplatz

Projektumriss

Knoten in der Leitung

Säureteich

Das Blatt wenden

Dart-Scheibe

Blitzlicht

Maßnahmeplan

100 Tage Rückblick – Was ist bei uns passiert?

Zukunftswerkstatt

World Café

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