Methodenkompendium: Demokratieerziehung an Schulen
Teil 2: Ansätze für soziales Lernen

Ansatz 2: Projekte zum handlungsorientierten Lernen

zum Start der Ansätze für soziales Lernen
Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens
Projekte zum handlungsorientierten Lernen
So ein Theater mit der Demokratie - Forumtheater
Titelbild

Projekte zum handlungsorientierten Lernen

Einleitung

Handlungsorientiertes Lernen

Handlungsorientiertes Lernen definiert als Ausgangspunkt eines Lernprozesses eine überschaubare problemhaltige Situation, die die Schüler zu Handlungen motiviert bzw. herausfordert. Diese kennzeichnet sich durch eine geringfügige Überforderung aus, da die Schüler noch nicht über alle Kenntnisse und Handlungsmuster zur Lösung des Problems verfügen. Der/die Pädagoge/in führt durch den Prozess, gewährleistet den methodischen Rahmen und steht im Bedarfsfall für Hilfestellung zur Verfügung. Handlungsorientiertes Lernen ist intentional und zielgerichtet und eignet sich gerade vor diesem Hintergrund zur Bewältigung (fach)spezifischer Frage- und Problemstellungen mit Kindern und Jugendlichen, da aus lernpsychologischer Sicht zentrale Vorteile zum Tragen kommen.

  1. Handlungsorientiertes Lernen ist erlebnisbetontes Lernen und schließt somit erstens direkt an den Bedürfnissen junger Menschen an und eignet sich zweitens um alternative, gruppengesteuerte Lernsituationen ergänzend zum fragend-entwickelnden Unterricht anzubieten.
  2. Wissen, welches aus konkreten Handlungen/Erfahrungen resultiert, zeichnet sich durch einen hohen Behaltenseffekt aus, da nur hier wichtige Rückkopplungsprozesse möglich sind und Denkstrukturen sich aktiv aus verinnerlichten Handlungen entwickeln.
  3. Handlungsorientiertes Lernen fördert die Kreativität, da in der konkreten Situation verschiedene Lösungswege ausprobiert und Handlungsalternativen gefunden werden müssen.
  4. Durch das Bewältigen spezifischer Aufgaben- und Problemstellungen mit Planungsüberlegungen und anschließender Realisierung vollzieht sich Lernen in vollständigen Handlungen (ganzheitliches Problemlöselernen) sowie ein Anstieg der Motivation.

Ziel des handlungsorientierten Lernens ist es, Kinder und Jugendliche mit umfassender Handlungskompetenz auszustatten. Diese wiederum kann in besonderem Maße durch die Herausbildung so genannter Schlüsselqualifikationen (Beherrschung von Kulturtechniken, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Abstraktionsfähigkeit, ...) unterstützt werden.

Prinzipien handlungsorientierten Unterrichts / Lernens

  1. Handlungsorientierter Unterricht ist zunächst schülerorientierter Unterricht, der sowohl an den Interessen und Bedürfnissen der Schüler als auch an deren Erfahrungen anknüpft und diese bewusst in die Lernsituation integriert. Die Schüler stehen als handelnde Individuen im Mittelpunkt des Lernprozesses und entwickeln ihre Persönlichkeiten durch Möglichkeiten der Differenzierung und Individualisierung.
  2. Handlungsorientiertes Lernen fördert die Selbstständigkeit von Kindern und Jugendlichen, da Handlungen zielgerichtet geplant, ausgeführt und kontrolliert werden müssen. Eine Entwicklung von Selbsttätigkeit und Selbstverantwortlichkeit ist wiederum zentrale Voraussetzung für den „mündigen Bürger“ und erfordert im Zielhorizont weitestgehend selbstgesteuerten Unterricht.
  3. Handlungsorientiertes Lernen findet fast ausschließlich in kleinen bis mittelgroßen sozialen Gruppen statt. Insofern ist diese Lernform sozial vermittelt und bestimmt, ist soziales Lernen. Soziales Lernen fördert im besonderen Maße die Fähigkeiten, welche unter der Begrifflichkeit Sozialkompetenzen (Konflikt- und Kritikfähigkeit, Toleranz, ...) subsumiert werden.
  4. Handlungsorientiertes Lernen ist ganzheitliches Lernen, indem es mehrere Lernkanäle anzusprechen und Theorie mit Praxis zu vereinen vermag. Die Zusammenführung von Kopf- und Handarbeit, der Aufbau von Strukturwissen und die Aneignung prozeduralen Wissens in der Planung, Ausführung und Kontrolle vollständiger Aufgaben- und Problemlösesequenzen führen zum Erwerb strukturierten Wissens und sinnvoller Ganzheiten. In handlungsorientierten Lernformen können Kinder und Jugendliche auch die Fähigkeit zum Denken in vernetzten Systemen, eine zentrale Schlüsselqualifikation, erwerben, insofern Lernraum und Lerngegenstand in geeigneter Weise gewählt werden.
  5. Handlungsorientiertes Lernen ist exemplarisches Lernen. Eine idealtypische problemhaltige Situation mit Potentialen der Generalisierung dient dabei als „Schloss“, um geeignete „Schlüssel“ im Problemlöselernen zu entwickeln, die wiederum als erfolgreiche Handlungsmuster für vergleichbare Folgesituationen generalisiert werden. Im entdeckenden Lernen werden den Kindern und Jugendlichen authentische Erfahrungen ermöglicht.

Elemente und Situationen handelnden Lernens

  1. Spielen und Lernen (Plan- und Rollenspiele)
  2. Erkunden und Erforschen (Informationen beschaffen, Exkursionen)
  3. Herstellen und Verwenden (entwerfen, herstellen, gebrauchen)
  4. Erfahren und Erleben (im Kontext der anderen Vorgänge)
  5. Probieren und Studieren (Dinge ausprobieren, beobachten und Schlüsse ableiten)
  6. Zusammen Arbeiten und Kommunizieren (kollektive Planung und Ausführung, Besprechen von Konflikt en und Zielen)
  7. Phantasieren und Experimentieren (selbstständiges Lösen, Versuch und Irrtum, kreatives Probieren)
  8. Tätigsein und Verantworten (offener Unterricht, Selbstkontrolle, Mitwirkung an Schule und Projekten)
  9. Eingreifen und Verändern (Veränderungsbedarf erkennen und handeln)
  10. Klassenreise und Schulleben (mitplanen, organisieren)

Nachnutzungsangebote

Partizipative Schulentwicklung – Zukunftswerkstatt

Soziale Problemlösung – Zukunftswerkstatt

Erfahrung mit allen Sinnen – Schwerpunkt Medienpädagogik

Projekt Staatsgründung – Schwerpunkt Erlebnispädagogik

Partizipationskultur stärken – Coaching Schülerrat

Zur Mitwirkung befähigen – Auftaktworkshops Schülerrat

zurück