Methodenkompendium: Demokratieerziehung an Schulen
Teil 2: Ansätze für soziales Lernen

Ansatz 1: Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens – Methoden

zum Start der Ansätze für soziales Lernen
Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens
Projekte zum handlungsorientierten Lernen
So ein Theater mit der Demokratie – Forumtheater
Titelbild

Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens

Modulbezogene Methoden – Globale Produkte oder
„Der Weg einer Jeansjacke“

Name

Globale Produkte oder „Der Weg einer Jeansjacke“

Ziel

Erkennen der intensiven weltweiten Verflechtung von Produktionsprozessen für unsere Waren;
Erkennen unterschiedlicher Arbeits- und Lebensverhältnisse

Vorraussetzung
Material

3 unterschiedlich farbige Wollknäuel, Rollenkarten in der Anzahl der Teilnehmer aus Anlage B06.2, Kontinentschilder für Asien (inkl. Australien), Europa, Nordamerika, Südamerika und Afrika, Schere und eine Weltkarte

Anlage B06.2 Globale Produkte Rollenbeschreibungen

Vorbereitung

5 Kontinentschilder im Raum platzieren, Rollenkarten auf Anzahl der Teilnehmer reduzieren mit Anlage B06.4

Anlage B06.4 Globale Produkte Rollen in Abhängigkeit von TN-Zahl

Ablauf

1. Gruppenfindung

Jeder Teilnehmer bekommt eine Rollenkarte mit folgender Aufgabenstellung:
„Sucht nach den anderen Personen, die gemeinsam mit Euch für die Herstellung eines Produktes zuständig sind. Beschreibt den anderen in der Gruppe Eure Tätigkeit. Nutzt dafür die Informationen auf den Rollenkarten und schmückt sie noch aus (Worin besteht Deine Tätigkeit? Wie gefällt Dir Deine Arbeit? Für wen arbeitest Du? Wie wichtig ist Dir Deine Arbeit? Wie verläuft Dein Tag? etc.) Vergleicht Eure Tätigkeiten.“

2. Kleingruppenarbeit

Die Teilnehmer bekommen 10 Minuten Zeit, sich in der Gruppe zu verständigen. Die Teamer betreuen die Arbeitsgruppen. Danach werden sie aufgefordert, sich eine Weltkarte auf dem Fußboden im Raum vorzustellen und sich entsprechend des Ortes, an dem sie leben und arbeiten, im Raum zu positionieren.

3. Präsentation

Man fängt am zweckmäßigsten mit der längsten Kette (Jacke) an. Dabei soll die erste Person der Produktionskette beginnen, ihre Arbeitsbedingungen, ihre Löhne und ihre Arbeit (jeweiliger Produktionsschritt) zu beschreiben. Die Person wirft dann ein farbiges Wollknäuel zum nächsten Verarbeiter weiter und hält dabei das Ende des Wollfadens fest. Schließlich landet die Jacke beim Verkäufer in Deutschland. Die anderen Teilnehmer dürfen während der Präsentation nachfragen. Der Teamer korrigiert, falls die Kette in der Reihenfolge nicht stimmt. Dann darf sich die Textilkette mit dem Wollfaden in der Hand hinsetzen auf der Welt und die Schoki- oder Computerkette stellt sich vor. Am Ende dürfen sich alle erst mal hinsetzen auf der „Welt“, so dass man entspannter auswerten kann.

Weltspiel Produktionswege

Weltspiel Produktionswege

Auswertung

1. Moderationsfragen zur Produktion:

Was fällt Euch auf?
Was ist global an den Produkten?
Welche Tätigkeiten werden im Norden ausgeführt, welche im Süden? Wo beginnt die Linie, wo hört sie auf? Warum könnte das so sein? Wer entscheidet das?
Sind die Orte austauschbar? Warum finden bestimmte Produktionsschritte an bestimmten Orten statt? Welches Muster ist dabei festzustellen?
Merken wir etwas von diesen Verknüpfungen (die hier durch Garn gekennzeichnet sind, wenn wir einkaufen)?
Welche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Produkten (Kleidung um die ganze Welt, Kakao sofort nach Europa)? Woran kann das liegen?

2. Moderationsfragen zu den Arbeits- und Lebensbedingungen:

Welche Unterschiede gibt es bei Verdienst und Arbeitsbedingungen? An welcher Position würdet Ihr gern sein, an welcher nicht?
Wie sind die recht unterschiedlichen Löhne einzuschätzen?
Was glaubt Ihr, wer die Produkte vor allem konsumieren kann?
Können Verbraucher Einfluss nehmen auf die Produktion?
Mit wem würdet Ihr gern tauschen?

3.  optional: Vertiefung zu den unterschiedlichen Produkten im Bezug zum Lebensstandard der Konsumenten und der Produzenten:

Schokolade:

  1. wird v. a. in Ländern im Norden konsumiert: Jeder Bundesbürger ist im Jahr ca. 9 Kilogramm.
  2. Herstellung von wenigen multinationalen Konzernen (Nestlé, Jacobs Suchard, Cadbury, Mars, Ferrero etc.)
  3. Lateinamerika, der Kontinent, aus dem der Kakao ursprünglich kommt, liefert heute nur noch 20 Prozent der Weltproduktion. Aus Westafrika stammen inzwischen 60 Prozent. Die jüngste Kakaoregion mit der schnellsten Wachstumsrate ist Südostasien, das innerhalb kurzer Zeit 20 Prozent des Marktes erobert hat.
  4. Verarbeitung (Pressen) v. a. in den Niederlanden, BRD, USA, Brasilien (Ursache sind hohe Zölle der EU auf weiterverarbeitete Produkte wie Kakaobutter oder Kakaopulver (12 und 16 %), auf Kakaobohnen nur 3 %)
  5. von den 24 Stückchen Schokolade einer Tafel erhalten die Produzent nur eines.

Kleidung:

  1. Durchschnittlich kauft jeder Bundesbürger 50-70 Kleidungsstücke pro Jahr, ein Inder kann sich 2 Kleidungsstücke in dieser Zeit leisten.
  2. Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken (Näherin etc.): lange Arbeitszeiten, geringe Löhne, fast nur junge Frauen, Lärm, stickig etc., immer gleiche Handgriffe (Hosenbund annähen), kaum Pausen, keine soziale Absicherung, Entlassung bei Gewerkschaftsaktivitäten, sexuelle Belästigung etc.
  3. großer Druck durch immer wieder neue Kollektionen, die innerhalb kürzester Zeit produziert werden müssen (Rekordzeiten zwischen Design und Kleidungsstück im Laden)
  4. Kleidung wandert um die Welt, „Made in Bangladesh“ bedeutet, dass die Stoffteile dort zusammengenäht wurden – die Baumwolle war bis dahin schon tausende Kilometer unterwegs