Methodenkompendium: Demokratieerziehung an Schulen
Teil 2: Ansätze für soziales Lernen

Ansatz 1: Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens – Methoden

zum Start der Ansätze für soziales Lernen
Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens
Projekte zum handlungsorientierten Lernen
So ein Theater mit der Demokratie – Forumtheater
Titelbild

Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens

Modulbezogene Methoden – Podiumsdiskussion „Turnschuh“

Name

Podiumsdiskussion „Turnschuh“

Ziel

Die Aktivität ermöglicht einen Einstieg in das Thema „globalisierte Weltwirtschaft“ am Beispiel Sportschuhe und soll Probleme und Mechanismen des Welthandels erfahrbar machen. Ziel des Interaktionsspiels ist, sich in den jeweiligen Rollen mit den Interessen und Strategien der verschiedenen Akteure auseinanderzusetzen.

Vorraussetzung
Material

mindestens 45 Minuten; 5 Vorbereitungsecken oder –räume für die Kleingruppen; 10-30 Teilnehmer; Rollenkarten und Arbeitspapier Sportschuh
Material: Rollenspielmaterialien (siehe Anhang), die Grafik „Ein Sportschuh unter der Lupe“ aus dem Arbeitspapier – „Wer eine Gewerkschaft gründen will, fliegt raus!“ Globalisierung am Beispiel Sportbekleidung. Seite 367 (evtl. vergrößern) sowie Papier und Stifte für Notizen. Hilfreich sind weitere Materialien zur Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign), die es auch im Internet gibt. Teamer sollte Erfahrungen in der Rollenspielarbeit haben und mit dem Thema vertraut sein.

Vorbereitung

Es gibt fünf Gruppen: Indonesische Arbeiterinnen, Besitzer eines Zulieferbetriebes, Markenfirma, Einzelhändler, Menschenrechtsorganisation. Vor Spielbeginn müssen fünf Sätze, jeweils bestehend aus einer Gruppenkarte und einer Aufgabenkarte, in fünf verschiedenen Farben für die beteiligten Gruppen kopiert werden. Eine farbige (z. B. grüne) Karte dient als „Time-Out-Karte“, die gezeigt werden kann, wenn eine Gruppe Zeit für Beratung braucht. Die Gruppen „Indonesische Arbeiterinnen“ und „Menschenrechtsorganisation“ erhalten zusätzlich noch eine Infokarte in ihrer Farbe.

Ablauf

Phase I: Kleingruppenarbeit

Zu Beginn führt der Spielleiter mit Hilfe der Grafik „Ein Sportschuh unter der Lupe“ (Arbeitspapier – „Wer eine Gewerkschaft gründen will, fliegt raus!“ Globalisierung am Beispiel Sportbekleidung. Seite 367), die während des ganzen Spiels für alle sichtbar sein sollte, inhaltlich in die Situation ein und erläutert folgendes Spielszenario:
Im Zuge eines großen Sportereignisses (Weltmeisterschaften, Olympische Spiele etc.) wurde in den letzten Tagen und Wochen verstärkt in verschiedenen Medien die Lage in den Produktionsstätten der Sportartikelindustrie diskutiert. Immer wieder gab es Zeitungsberichte und Fernsehreportagen über die schlechten Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken, wo die Konzerne unter anderem ihre Sportschuhe herstellen lassen. Verschiedene Organisationen haben sich zu Wort gemeldet, die Konzernspitzen wurden unter Druck gesetzt. Eine Podiumsdiskussion wurde organisiert, an der Vertreter aller beteiligten Gruppen teilnehmen.
Danach werden alle Teilnehmer in Kleingruppen aufgeteilt und erhalten jeweils ihre entsprechende Rollenkarte. Die Kleingruppen haben ein paar Minuten Zeit, um sich über ihre Rolle auszutauschen. Danach erhalten sie ihre Aufgabenkarten mit konkreten Arbeitsanweisungen. In den folgenden 15 - 20 Minuten sollte jede Kleingruppe genügend Raum haben, um sich ungestört vorbereiten zu können. Sie sollen in ihrer Rolle die jeweiligen Interessen heraus arbeiten, miteinander diskutieren, ihre Forderungen und Argumente zusammentragen und eine Strategie für die Podiumsdiskussion entwickeln.
Jede Kleingruppe benennt am Ende einen Vertreter, der die Argumente und Forderungen während der Podiumsdiskussion einbringt und versucht, seine Interessen möglichst weitgehend durchzusetzen. Das Spiel wird umso spannender, je stärker sich die Spieler mit ihren jeweiligen Rollen auseinander setzen.

Phase II: Podiumsdiskussion

Vorstellung der Positionen
Die Gruppen kommen zusammen. Die Sprecher nehmen am Tisch Platz; die anderen Kleingruppenmitglieder sind Zuschauer. Der Spielleiter eröffnet und moderiert den Runden Tisch. Nacheinander haben nun die Sprecher 3 Minuten Zeit, sich vorzustellen und ihre Positionen darzulegen.

Turnschuh Podiumsdiskussion

Turnschuh Podiumsdiskussion

Diskussion der Positionen
Nun können die Sprecher auf die Argumente der anderen reagieren, ihre Forderungen modifizieren oder bekräftigen. Damit die Kleingruppen ihre Sprecher unterstützen können, besitzt jede Gruppe eine Time Out Karte. Diese kann jederzeit von allen Mitgliedern einer Kleingruppe (auch Sprecher) während der Diskussion eingebracht werden. Die Unterbrechung dauert höchstens drei Minuten, in denen sich Sprecher und Kleingruppe austauschen können, um danach mit weiteren Argumenten, einer veränderten Strategie etc. die Diskussion fortzuführen. Da die oberste Diskussionsregel gebietet, einander ausreden zu lassen, kann auch die Time Out Karte erst nach einem abgeschlossenen Redebeitrag eingebracht werden. Ist die Podiumsdiskussion beendet, sollte der Spielleiter ein deutliches Zeichen zum Ablegen der Rollen geben! Gibt es mehrere Teamer, sollte ein zweiter Teamer auf die verschiedenen Strategien der Kleingruppen und den Prozess der Diskussion achten, damit diese in der abschließenden Auswertung diskutiert werden können. Ziel der Auswertung soll es sein, das ungleiche Machtverhältnis in den Beziehungen der Beteiligten zueinander und die Asymmetrie weltwirtschaftlicher Handelsbeziehungen zwischen Nord und Süd zu verdeutlichen, zu verstehen, welchen jeweiligen Interessen die Akteure folgen und in welche Handlungslogik sie dabei verstrickt sind. Bei der Diskussion sollten keine personalisierten Vorwürfe gemacht werden, sondern die dahinter liegenden Strukturen in den Blick genommen werden.

Erweiterungen

Der Spielleiter (Rollenwechsel stets deutlich machen!) oder eine zweite Person kann zusätzliche Informationen in die Diskussion einbringen, wenn eine Gruppe zu stark oder zu inaktiv ist oder um die Diskussion insgesamt stärker anzuregen.
Diese Informationen könnten sein:

  1. Börsenkurs der Markenfirma sinkt / steigt;
  2. Demonstration vor Sitz der Markenfirma oder vor Zulieferbetrieb;
  3. Markenfirma bringt „Code of Conduct“ ein – der Menschenrechtsorganisation geht dieser nicht weit genug;
  4. Spätschäden bei Arbeiterinnen festgestellt (verursacht durch Chemikalien, Staub etc.).
Tipps für Teamer

Gerade bei Seminargruppen, die mit dem Thema noch nicht vertraut sind, sind Zeitungsartikel oder Info-Broschüren als zusätzliches Material für die Kleingruppenarbeit hilfreich. Vor Beginn der Diskussionsphase sollten die Diskussionsregeln (immer ausreden lassen!) sowie der Gebrauch der Time Out- Karten (bei kleineren Gruppen nicht nötig) für alle klar sein. Der Spielleiter sollte sich so weit wie möglich aus der Diskussion heraushalten. Dennoch kann er neue Anstöße geben, wenn die Diskussion stockt. Für die anschließende Auswertung sollte genügend Zeit eingeplant werden.
Quelle: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit, DGB-Bildungswerk Thüringen e. V.
 
www.baustein.dgb-bwt.de

Auswertung

Phase III: Auswertung
Die Auswertung sollte moderiert werden. Hier haben alle Spieler die Möglichkeit, sich über das Geschehene auszutauschen. Zunächst sollten sich die Sprecher über die Zufriedenheit / Unzufriedenheit mit der Rolle äußern sowie ihre Gefühle beschreiben (Stärke, Ohnmacht, Unsicherheit etc.), dann können die anderen Gruppenmitglieder die Äußerungen ergänzen. In einer zweiten Auswertungsphase sollen die verschiedenen Strategien herausgearbeitet und festgehalten werden (Flipchart) sowie Gründe für bestimmte Ergebnisse und Abläufe ermittelt und diskutiert werden. Am Ende steht das gemeinsame Nachdenken über denkbare Alternativen und Handlungsmöglichkeiten.