Methodenkompendium: Demokratieerziehung an Schulen
Teil 2: Ansätze für soziales Lernen

Ansatz 1: Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens

zum Start der Ansätze für soziales Lernen
Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens
Projekte zum handlungsorientierten Lernen
So ein Theater mit der Demokratie – Forumtheater
Titelbild

Projekttage zu Themen des globalen und sozialen Lernens

Projektangebote „eine Welt – deine Welt“ des arche noVa e. V.

Logo eine Welt – deine Welt

Die Bildungsstelle „entwickelt – verwickelt“ von arche noVa e. V. richtet sich mit ihren Angeboten zu Themen des Globalen Lernens und der Demokratieerziehung an Schüler ab der 5. Klasse, Auszubildende und Jugendgruppen in Sachsen und bietet PROJEKTTAGE in fünf Modulen an:

Helfen – eine Gratwanderung Ich & die Anderen Ich & die Globalisierung Verflixte Konflikte Wasser! Aus dem Hahn – aus dem Sinn?

 

Die Projekttage setzen sich aus Themenbausteinen zusammen. Die Inhalte der Angebote sind somit flexibel und werden mit den Schülern und Lehrern an die konkreten Bedürfnisse angepasst.

Alle Module haben Fachbezüge zu den Fächern Deutsch, Geographie, Gemeinschaftskunde, Ethik/Religion; das Modul Wasser ! darüber hinaus auch zu Biologie, Chemie und Kunst.

Die Dauer der Projekte schwankt zwischen einem und fünf Projekttagen je nach Modul und Wunsch.

Leitvorstellungen des Bildungsprojektes

Über Wissensvermittlung und möglichst realitätsnahe und mitreißende Methoden sollen AHA-Effekte und ein möglichst nachhaltiger Bewusstseinswandel bezüglich entwicklungspolitischer, gesellschaftlicher und ökologischer Fragestellungen angeregt werden. Vordergründig ist dabei die Motivierung zur Änderung des eigenen sozialen und ökologischen Handelns, statt die Verantwortung für Probleme in den Ländern des Südens und gesellschaftliche Probleme und Missstände hier in Deutschland nur auf andere oder gesellschaftliche Verhältnisse abzuwälzen. Wir wollen dabei kein schlechtes Gewissen erzeugen, sondern Alternativen aufzeigen bzw. gemeinsam mit den Jugendlichen entwickeln. Außerdem möchten wir anregen, zu Problemen eine eigene Meinung zu entwickeln, diese zu vertreten und dafür auch Informationsquellen kritisch auf ihre Unabhängigkeit von anderen Interessen hin zu hinterfragen, um letztlich aktiver am demokratischen Prozess mitzuwirken.

Kombinationen aus den Angeboten

Unverkennbar überschneiden sich die fünf Module an vielen Stellen. Dieses Potential kann genutzt werden, um Klassen und Jugendgruppen an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen auch Kombinationen aus den Angeboten zu ermöglichen. Die Schulen können einen oder mehrere Tage zu einem Thema anfordern, wobei dann jeweils auf das Wesentliche reduziert bzw. um Differenzierteres erweitert wird. So ist es beispielsweise möglich, innerhalb eines Projektes zum Thema „Wasser“ einen Bausteintag zu internationalen Konflikten um diese Ressource durchzuführen oder den Themenbaustein „Wasserprivatisierung“ als Bestandteil eines Projektes „Ich & die Globalisierung“ zu integrieren oder den Baustein „Toleranzgrenzen“ nicht nur bei „Ich & die Anderen“ sondern auch während der Projekttage zu den „Verflixten Konflikten“ zu thematisieren.

 

In einigen Situationen ist es gar unumgänglich, vom vorher ausgearbeiteten Konzept für einen Projekttag abzuweichen. Wenn während eines „Ich & die Globalisierung“-Projektes wohlstandschauvinistische Sprüche („Die Ausländer wollen uns hier unsere Arbeitsplätze wegnehmen.“) oder während eines Konflikteprojektes rassistische Äußerungen fallen, muss entsprechend flexibel darauf reagiert werden können. Natürlich sind auch Projektteamer nicht auf jede Situation gefasst, aber die Erfahrung zeigt, an welcher Stelle Ressentiments gegenüber Anderen oft an die Oberfläche kommen. Und so kann man sich auf einige doch vorbereiten. So haben wir mittlerweile schon einen optionalen Baustein für die Module „Ich & die Anderen“ und „Verflixte Konflikte“, der Vorurteile gegenüber bestimmten Ausländergruppen entkräftet und ihre tatsächliche Situation vergegenwärtigt.

Ortsbezogenheit

Anliegen aller Module ist das Erkennen der Verbindung zwischen den globalen Konflikten und dem eigenem Handeln. Dies kann nur erreicht werden, wenn Beispiele jeweils im direkten Umfeld der Schüler herangezogen werden, z. B. der Bach, der durch die Kleinstadt fließt, der Supermarkt um die Ecke, die lokalen Arbeitgeber oder Konflikte innerhalb der Klasse, des Ortes, der Familie. Nur so können die abstrakten Themen für die Schüler eindeutig verständlich werden, sich besser einprägen und die Erwägung eigenen Handelns nach sich ziehen. Bei mehrtägigen Projekten empfiehlt es sich deshalb stets in den jeweiligen Orten vorab zu recherchieren, um individuelle Stadtrallyes, Exkursionen in nahe gelegene Institutionen oder Gespräche mit verantwortlichen Personen (Politiker, Vertreter von NROs, etc.) organisieren zu können. Diese flexible, individuelle Anpassung der Projekte an den lokalen Kontext erfordert zwar einen größeren Aufwand und jeweils eine längere Vorbereitungszeit für den durchführenden Teamer, ist aber unserer Erfahrung nach sehr effektiv und macht die Projekttage für Schüler attraktiver.

Mehrtagesangebote

Mehrtagesangebote ermöglichen es, intensiver in ein Thema einzudringen und mehrere Ebenen des Themas zu betrachten. So ist ein Klärwerksbesuch während eines Wasserprojektes oder eine Stadt- / Dorfrallye zu den Folgen der Globalisierung bei uns zu Hause für Schüler eindrücklicher als ein Vortrag. Da hört man live, wie sich der Automechaniker des erzgebirgischen Schulortes beschwert, dass „alle ihre Autos nur noch in Tschechien reparieren lassen“ und er deswegen um seine Existenz kämpft und die Textilfabrik in Ostsachsen aufgrund der billigen Lohnkonkurrenz aus Osteuropa und Südostasien ihre Pforten schließen muss. Gleichzeitig wird den Schülern auf Nachfrage im Einkaufsmarkt desselben Ortes bescheinigt, dass es keine Kleidung aus deutscher Produktion mehr im Angebot gibt, weil die Kunden nur die billigere importierte aus ... nachfragen.

Weiterentwicklung und Anpassung der Module

Die Konzepte des globalen Lernens können nicht vollständig standardisiert sein. Sie würden in diesem Fall der sich ständig verändernden Lebensumwelt nicht mehr gerecht werden. Aktuelle Entwicklungen in der Welt müssen in den Projekten berücksichtigt werden. Sie ermöglichen zudem auch die zusätzliche Auseinandersetzung mit dem Aspekt „Einfluss der Medien“, der für Handlungs- und Demokratiekompetenz heutzutage eine außerordentlich wichtige Rolle spielt.

Aus der Evaluation vergangener Projekte werden sich natürlich weitere Überarbeitungen ergeben. Ebenso durch die Orientierung an den jeweiligen (sächsischen) Lehrplänen für die entsprechenden Klassen und an dem möglichen Vorwissen der Klassen und Gruppen.

Die Bildungsstelle „entwickelt – verwickelt“ des arche noVa e. V.

Der Dresdner Verein „arche noVa – Initiative für Menschen in Not e. V.“ setzt sich für Menschen ein, die durch Krisen, Naturkatastrophen in Not geraten oder durch mangelnde Chance benachteiligt sind. Was 1992 als privater Hilfstransport nach Irakisch Kurdistan begann, ist zu einer anerkannten Hilfsorganisation herangewachsen. arche noVa e. V. führt Mikrokredit-, Wasser- und Bildungsprogramme u. a. in Pakistan, Sri Lanka und Ghana durch. Als humanitäre Hilfsorganisation achten wir darauf, alle Entwicklungs- und Hilfsprojekte zusammen mit lokalen Partnern durchzuführen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Förderung eigener Fähigkeiten (Capacity Building).

Seit 2003 ist die entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Sachsen ein neuer Schwerpunkt unserer Arbeit. Die Bildungsstelle „entwickelt – verwickelt“ wird dabei mittlerweile vom BMZ über InWEnt, der Stadt Dresden, der Stiftung Nord-Süd-Brücken und vom Freistaat Sachsen unterstützt.

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