Methode 3 – Direkte Instruktion
Grundidee
Direktes Unterrichten (direct instruction) – ein umstrittenes Unterrichtsmodell
- Wenn ich will, dass meine Schüler etwas lernen, dann muss ich es ihnen beibringen.
- Das direkte Unterrichten ist eine Weise des Unterrichtens, mit der man seinen Schülern helfen kann, intentionaler und zielbewusster, aktiver, effizienter und erfolgreicher zu lernen, als es oft in der Schule geschieht.
- Bei Pädagogen äußerst umstrittenes Konzept.
vgl.: J. Grell, 2002, S. 35/40
Erfahrungen aus dem Alltag
- Die Präsentation oder Demonstration des neuen Stoffes geschieht oft viel zu flüchtig.
- Es wird viel zu wenig unter Anleitung geübt.
- Lehrer nehmen häufig nur einige wenige Schüler dran (die, die sich immer zuerst melden).
- Anfängliche Fehler der Schüler werden nicht sorgfältig korrigiert.
- Der Stoff wird nur ein einziges Mal dargeboten, die Darbietung wird selten so oft wiederholt, bis alle Schüler den Stoff meistern.
- Stillarbeitsphasen sind oft viel zu lang und unfruchtbar, weil die Lernenden die neuen Inhalte noch nicht genügend beherrschen.
Durchführung
Prinzipien des Direkten Unterrichtens
- klar strukturierte Lernerfahrungen
- kleine Schritte, flottes Tempo
- detaillierte und redundante Erklärungen
- viele Fragen und Aufgaben, alle Schüler üben aktiv
- viele Rückmeldungen, viel Korrigieren von Schülerantworten
- mindestens 80 Prozent der Schülerantworten sind richtig
- kurze Stillarbeitsphasen, Überwachen der Schülerarbeit
- Lernerfolg durch Überlernen
Die Schülerantworten sollen zum Schluss fast automatisch kommen (bis 100 Prozent richtige Antworten). Antworten sind auch im Chor möglich.
vgl.: J. Grell, 2002, S. 41
Drei Funktionen
Drei Funktionen überlappen sich beim direkten Unterrichten ständig bzw. wechseln einander ab:
- Demonstrations- und Präsentationsfunktion
- Üben unter Anleitung
- Selbstständiges Üben
vgl.: J. Grell, 2002, S. 41
- Demonstrations- und Präsentationsfunktion
- Den Schülern wird mitgeteilt, was sie lernen sollen.
- Der Lehrstoff wird ihnen so deutlich wie möglich – klare Präsentation wichtig – gezeigt, demonstriert, vorgemacht oder erklärt, oft mehrmals.
vgl.: J. Grell, 2002, S. 41
- Üben unter Anleitung
- Wenn der Lernstoff bei den Lernenden angekommen ist, muss er unter Lehreranleitung intensiv und in möglichst zügigem Tempo geübt werden, bis er sitzt.
- Das geht so:
- Man stellt eine Frage oder Aufgabe.
- Sie wird von einem Schüler beantwortet.
- Man gibt dem Schüler Feedback.
- Man stellt eine neue Frage usw.
- Mit diesen Lehrerfrage – Schülerantwort – Feedback – Sequenzen wird so lange weitergeübt, bis alle Schüler den Lernstoff beherrschen.
- notwenig: ausreichend großer Vorrat von Übungsaufgaben und -fragen
- wichtig: zügiges Tempo und alle Schüler sollen drankommen (auch diejenigen, die sich nicht melden)
- günstig: Schüler in geordneter und vorhersehbarer Reihenfolge aufrufen
vgl.: J. Grell, 2002, S. 42
-
Selbstständiges Üben
- Erst wenn alle Schüler sicher geworden sind, dürfen sie selbstständig, also ohne direkte Lehrerlenkung und Lehrerkontrolle, weiterüben.
- Vorher sind längere Stillarbeitsphasen nicht sinnvoll.
- Das Arbeitsengagement von Schülern lässt normalerweise schnell nach, wenn sie allein arbeiten. Darum muss die selbstständige Arbeit überwacht werden. Anders formuliert, der Lehrer soll in dieser Phase die Schüler ermutigen, motivieren oder ihnen Hilfestellungen geben.
vgl.: J. Grell, 2002, S. 44