Ansätze

Erklärungsmodell

Intervention/Prävention

Biologischer Ansatz

 

 

Vergewaltigung = bei allen Tierarten bestehendes Bedürfnis der Männchen, den Samen möglichst an viele Weibchen weiterzugeben; eventuell über Genstrukturen festgelegt; Mann nimmt sich, was er anders nicht bekommt; Bsp.: Skorpionfliege: Männchen, erzwingen mit „Zange“ am Hinterteil Begattung; Männchen, die Geschenke (Honig) an Weibchen verteilen, müssen Begattung nicht erzwingen

Beobachtungen bei Menschenaffen: Nur Alphamännchen (sichtbare Hautwülste) dürfen Weibchen begatten; andere (unterlegene) Männchen versuchen Vergewaltigung, wenn das Alphamännchen abwesend ist

= jeder Mann trägt in sich den Wunsch nach möglicht vielen Geschlechtspartnerinnen, soziale Kontrolle, Moralvorstellungen und Strafandrohungen unterdrücken diesen Wunsch; er wird aber bei sich bietender Gelegenheit (im Krieg) sofort ausgelebt

typischer Täter: Mann greift sich nach starken Alkoholkonsum die erste beste Frau, die ihm über den Weg läuft

Aufhebung der sozio-ökonomischen Ungleichheit zwischen Menschen (Männern), damit alle gleiche Möglichkeiten haben, zu bekommen, was sie sich wünschen (siehe Geschenke)

im Extremfall Kastration

Sozialpsychologischer

 Ansatz

Vergewaltigung = Ausdruck von Unfähigkeit zu „normalen“, liebevollen Beziehungen; eine Art Rache für (früher) zugefügtes Leid

Befürwortung von Gewalt im sozialen Umfeld; Erfahrungen in der Kindheit (dominante Mutter; abwesende Väter; Misshandlung; Missbrauch, Erniedrigungen, Chancenlosigkeit = gestörtes soziales System) und einseitige Männlichkeitsvorstellungen (stark, erfolgreich, mutig, die Welt erobernd = überlegen) erziehen zum Einsatz von Gewalt; Erfahrung, dass durch Gewalt zu bekommen ist, was Mann will, befestigen die Vorstellung, dass Gewalt ein gutes Mittel zum Erreichen von Zielen ist

typischer Täter: schwierige Kindheit; unterprivilegiert, frühe Auffälligkeit

Aufarbeitung der Kindheit (Täter ist Opfer); üben von gewaltfreier Konfliktlösung; andere Männlichkeitsbilder (Stärke nicht = Gewalt, Überlegenheit); Einfühlungsvermögen in andere wecken und stärken

im Extremfall Sicherheitsverwahrung

Feministischer Ansatz

Vergewaltigung = stärkster Ausdruck von Frauenverachtung; nicht sexuell motiviert, sondern reines Gewaltgeschehen

Jahrtausende währende Unterdrückung der Frau schafft Vorstellung, dass die Unterwerfung und Erniedrigung von Frauen legitim ist; Erziehung und Gesellschaftsstrukturen fördern Vergewaltigung; Mann muss sich seine Überlegenheit über die Frau beweisen

typischer Täter: rücksichtsloser Macho, im Prinzip jeder Mann

Aufwertung der Frau, Stärkung der Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft; Aufhebung der Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern; Täter zur Verantwortungsübernahme zwingen;

im Extremfall Aufbau einer reinen Frauenkultur

Neurologischer Ansatz

Vergewaltigung = Problem von frühkindlichen hirnphysiologischen Veränderungen und ungünstigen Lebensbedingungen

Untersuchung von Gewalttätern zeigt erhöhte Aktivität der Hirnzentren von Aggression und Sexualität; andere Regionen (Gefühle) sind deaktiviert

Rauchen in der Schwangerschaft und starkes Schütteln eines Babys schädigen die vorderen Hirnregionen, es sind Risikokinder; kommen ungünstige Familienverhältnisse dazu, ist die Entwicklung zum Gewalttäter vorprogrammiert

noch offen: was ist Ursache, was Wirkung;

typischer Täter: Mann mit nachweisbaren Hirn-Veränderungen

frühe Untersuchungen (im Kindesalter); frühe Therapie (Gefahr einer Lebensprophezeiung); Unterstützung mit Medikamenten

im Extremfall Ruhigstellen mit Medikamenten

Grundlegende Erklärungsmodelle aus dem Bereich der Aggressionsforschung

 

Ansätze

Erklärungsmodell

Intervention/Prävention

Theologischer Ansatz

Aggression ist eine Folge der Sünde

(indirekte Verknüpfung von Aggression und Sexualität)

Der Mensch ist durch die Trennung von Gott zum Bösen verführbar, er kann sich davon selbst nicht befreien.

0der: Der Mensch ist dem Bösen verfallen. (Leben unter der Herrschaft des Teufels)

Sündenerkenntnis, Vergebung, Erlösung

Leben als Gottes geliebtes Kind; Befreiung vom Bösen

 

Leben unter der Herrschaft Gottes

Triebtheoretische Ansätze:

Aggression ist Teil des Menschseins,

naturgegeben

Sexualität und Aggression eng verknüpft

S. Freud: Lebenstrieb (Eros) und Todestrieb (Thatanos); Aggression = nach außen gerichteter Todestrieb; Mann = aktiv und aggressiv

Frau = passiv und unterwürfig

Verschiebung von Aggression auf „geeignete Ersatzmodelle“

Ausleben der Aggression in verträglicher Form

(Sport, Phantasie, Film, Spiel)

Nachreifung der Persönlichkeit

intensive zwischenmenschliche Kontakte

K. Lorenz: Aggression ein Trieb bzw. Instinkt; eine ständig fließende Energiequelle; ist angeboren und spontan; Gefahr des Triebstau

Frustrations-Aggressions-Theorie:

biologische oder erlernte Verhaltensweise

Sexualität und Aggression eng verknüpft

Aggression ist immer eine Antwort auf Frustration

Frustration führt immer zu irgendeiner Form von Aggression (auch lebensgeschichtliche Frustration)

erhöhen der Frustrationstoleranz

alternative Reaktionen trainieren

Reflexion der Situation, Abbau subjektiver Deutungen

Orientierung, Chancen geben

Lernpsychologische Ansätze:

erlernte Verhaltensweise

keine zwingende Verbindung von Sexualität und Aggression

Aggression eine erlernte Verhaltensform,

 „Lernen durch Anwendung“ (Nachahmung)

„Lernen am Modell“ (auch Filme)

Wechselwirkung zwischen Umweltbedingungen und unterschiedlich entwickelten Fähigkeiten des Menschen zur Selbststeuerung plus Verstärkungsprozesse (Erfolg oder Bestrafung)

gezielte Verstärkung erwünschter Verhaltensweisen - Lob bzw. Nichtbeachtung („Löschung“)

Anti-Aggressions-Training / Verhaltenstherapie

Förderung nicht-aggressiver sozialer Kompetenzen

Revidieren der eigenen Rechtfertigungen für Gewalt

Theoretische Ansätze der Sexualpathologie:

archaische Komponente plus kognitive Prozesse

Sexualität und Aggression verbunden

unbemerkte Erregungsübertragung von einer Situation in die nächste, dadurch falsche

Interpretation von Situation und Emotion

Verstärkungsprozesse

Verhaltenskorrektur durch kennen lernen der Mechanismen der Erregungsübertragung,

bewusste Vermeidung von Reizsituationen

(betrifft auch das potentielle Opfer)