Interaktive Wandtafeln - Interactive Whiteboards

Technik rund ums Board: Wohin mit dem Board - die Standortfrage

 

In den seltensten Fällen wird es möglich sein, Klassenräume um die Boards herum zu designen. Ausnahmen bestätigen die Regel - bei komplexen Modernisierungen von Schulen oder gar Neubauten sollte dies durchaus möglich sein. Meistens wird aber die Schule vor der Aufgabe stehen, eine Integration in den Bestand vorzunehmen.

1. Informatikkabinett, Fachraum oder Klassenzimmer?

Die interaktive Tafel gehört in den pädagogischen Alltag des Fachunterrichts, entweder im Klassenraum oder in beliebigen Fachkabinetten, jedoch nicht bevorzugt in Computerkabinette, in denen nur Informatik-Unterricht (oder TC) stattfindet.

Denn gerade der Informatik- bzw. TC-Unterricht stellt die geringsten Anforderungen hinsichtlich multimedialen Unterrichtens. Den überwiegenden Teil der Unterrichtszeit werden die Schüler selbständig an ihren PCs arbeiten, an der Tafel findet kaum Interaktion statt. Erläuterungen und Demonstrationen lassen sich gut mit einem klassischen Beamer oder wenn vorhanden mit Hilfe der pädagogischen Klassenraumsteuerung vornehmen.

Das dem Werkzeug "Interaktive Tafel" innewohnende Potential kann in Fächern besser ausgeschöpft werden, die mit einer starken Interaktion, umfangreicher Verwendung grafischer Veranschaulichungen und intensiver Nutzung der Tafel einhergehen. Als (nichtausschließliche) Beispiele sollen hier Geographie, Geschichte, Physik, Ethik und Gemeinschaftskunde genannt werden.

Ein wenig Vorsicht ist in Chemiekabinetten mit aktivem Experimentierbetrieb angeraten. Der unvermeidbare Kontakt mit diversen Chemikalien kann die Lebensdauer der Technik deutlich verkürzen.

2. Vor, neben, hinter oder an Stelle der bisherigen Tafel?

Eine interessante Frage, die nicht zuletzt auch Fragen des Investitionsschutzes aufwirft. Schließlich hat auch eine klassische Tafel Ihren Preis und einen Nutzungszeitraum der sich eher über mehrere Generationen erstreckt. Auch wird nicht jeder Lehrer gern auf die Möglichkeit verzichten, schnell und ohne erst irgend etwas einzuschalten Notizen zu machen.

Da aber die Tafel eines der wichtigsten Arbeitsinstrumente im Unterricht ist, sollte Ihr ein zentraler Platz eingeräumt werden, der gute Sicht von allen Schülerplätzen gewährt. Dies gilt auch für die interaktive Tafel, die durch stiftbeschreibbare Seiten- oder Nebentafeln ergänzt werden kann und sollte. In den meisten Fällen wird dann die interaktive Tafel die klassische Tafel ersetzen.

Eine kreative Lösung ist es, klassische Tafel und interaktive Tafel an gegenüberliegenden Wänden im Klassenzimmer anzubringen und je nach Bedarf zu unterrichten.

Problemfall Pylonentafel

Problematisch erscheint uns die Anordnung hintereinander, die sich aufdrängt, wenn Pylonentafeln vorhanden sind. Ein Lösung wäre die Montage einer nicht-höhenverstellbaren Tafel an der Wand zwischen den Pylonen. Alternativ kann bei zweiflächigen Pylonentafeln die hintere Tafel durch eine höhenverstellbare interaktive Tafel ausgetauscht werden. Ein Austausch der vorderen Tafel scheidet als Lösungsansatz regelmäßig aus, da die Kabelführung berücksichtigt werden muss.

Pylonentafel mit fest installierter interaktiver Tafel
an der Wand
Zweiflächige Pylonentafel mit höhenverstellbarer
interaktiver Tafel

 

Die Probleme, welche nicht-höhenverstellbaren Tafeln prinzipiell innewohnen (Erreichbarkeit), werden durch die vorgesetzte Pylonentafel noch verstärkt, da man nicht bis an die Wand herantreten kann. Außerdem muss die interaktive Tafel in einer Höhe montiert werden, die oberhalb des herunter gefahrenen Tafelblatts liegt. Dies verschlechtert die Erreichbarkeit zusätzlich, Software-Bedienelemente, die üblicherweise oben angeordnet sind, kann man nicht mehr erreichen. Diese für die passive Präsentation günstige Lösung lässt in der Regel eine interaktive Arbeit nicht zu.

Der Austausch der hinten liegenden Tafel bei zweiflächigen Pylonentafeln verspricht Lösungen für einige der eben angeführten Probleme, insbesondere das der Erreichbarkeit. Die Problematik des Herantretens bleibt bestehen, das großflächige Verdecken des Tafelbildes und die (unscharfe) Teilprojektion auf dem vorn liegenden Tafelblatt kommen hinzu, sobald die interaktive Tafel nach unten gezogen wird. Damit verschwinden Bedienelemente wie das Windows-Startmenü. Auch eventuell an der Tafel angebrachte Bedienelemente, wie Stiftablage oder Bedienelemente sind nicht mehr erreichbar. Eine interaktive Nutzung wird wiederum erschwert.
Hinzu kommt die Gefahr, beim unachtsamen Hochziehen der vorderen Tafel den Beamerarm und damit den Beamer zu beschädigen, welcher nur durch eine entsprechende Gestaltung der Aufhängung mit entsprechenden Schutzbügeln begegnet werden kann.

Diverse Anbieter lösen diese Probleme durch Federzugsysteme, die es erlauben, das Board in den Vordergrund zu klappen. Je nach Länge des Beamerarms und Gewicht des Beamers werden dafür jedoch Schwingungen und Erschütterungen, die wiederum zum Verschleiß beitragen.

Update 06.09.2016: Die wohl beste Lösung für das Problem "Pylonentafel" besteht im Austausch eines Tafelblattes durch ein "Interaktives Display". Falls dieses eine geringe Bautiefe hat und über einen integrierten PC verfügt (Einschub im Gehäuse), ist lediglich die Zuführung von Strom zu klären, sofern man eine Netzwerkanbindung über Funk sicherstellt.

 

3. Achtung Kreide!

Seit in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die ersten Computerkabinette an Schulen aufgebaut wurden gilt die Regel "Keine Kreidetafel im Computerkabinett" als unumstößlich. Schließlich ist es für Jeden nachvollziehbar, der einmal ein Klassenzimmer mit Kreidetafel betreten hat, dass sich der Kreidstaub wirklich überall im Zimmer niedersetzt und zwangsläufig die Ansaugöffnungen von Lüftern etc. "bevorzugt".

Die absehbaren Folgen sind Lagerschäden und der damit einhergehende Geräuschpegel sowie die unvermeidlichen Überhitzungsprobleme. Entweder weil Lüfter stehen geblieben sind oder Filter verstopfen.

Abhilfe brachten und bringen die klassischen Whiteboards, die mit Whiteboard-Markern beschrieben werden. Wischt man diese ab, entstehen große weiche Flocken, die keine derartigen Probleme verursachen.

Mit der Einführung interaktiver Tafeln wird der Kreideeinsatz schulweit zum Problem. Schließlich werden lüftungsintensive Beamer und die dazugehörigen Computersysteme am Lehrerarbeitsplatz und damit in der Nähe potentieller Kreidequellen installiert. Und dies nicht nur in einzelnen Zimmern, wie dem Computerkabinett. Sondern in größerer Anzahl in den Fachkabinetten und Klassenzimmern.

In Abhängigkeit vom Tafeltyp kann es durchaus auch zum vorübergehenden Ausfall von Sensoren (Stift-Erkennung) kommen, wenn diese von Kreidestaub bedeckt sind. Gefährdert sind überdies im Board integrierte oder angebaute Lausprecher, Anschlüsse für Zusatzgeräte oder auch Tasten, mit denen bestimmte Funktionen aufgerufen werden können.

Versuchen Sie also:

1. Kreidetafeln aus dem Raum mit der interaktiven Tafel zu verbannen oder wenn das nicht möglich ist

2. soviel Abstand wie irgend möglich zwischen Kreidetafel und interaktivem Board zu schaffen.

Falls eine Kreidetafel im Raum verbleibt, sollten sicherheitshalber die Luftfilter der Beamer in jeden Ferien gereinigt und ggf. ersetzt werden. Computer müssen möglichst staubgeschützt untergebracht werden, was einer guten Kühlung natürlich zuwider läuft. Besonders gefährdet sind in kreidebelasteten Räumen Notebooks, deren Kühlung auf Grund der kleinen Gehäuse oftmal schon unter optimalen Bedingungen schwierig ist.

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