Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Grundsatzabteilung, Referent: Herr Ingo Altmann

Carolaplatz 1

01097 Dresden
 
 

Bericht zur Fortbildungsreise Staffordshire April 1999


Berichtsinhalte:

1. Vorstellung des SLN, Vorstellung SBB, Vorstellung LTBZ

Bei der gemeinsamen Präsentation der verschiedenen Bildungsserver in Staffordshire wie in Sachsen zeigten sich deutlich inhaltliche Gemeinsamkeiten. Auch die Nutzergruppeneinteilung hat sich als gleichartig erwiesen. Durch den längeren Bestand des SLN (Staffordshire Learning Net) und besonders des Bereichs der MFL (Modern Foreign Languages) hat der SLN Server natürlich mehr Inhalte zu bieten. Eine für uns bemerkenswerte Weise ist die Bezahlung der Autoren für ihre Seiten. Damit wird die Motivation für Lehrer und Studenten, Lerninhalte für das Netz aufzuarbeiten und diese Darzustellen, deutlich erhöht. Auch die Anerkennung der Arbeit der Betreiber der Server ist in England deutlich höher. Mit einer Stelle für einen landesweiten Bildungsserver ist damit noch nicht genug in Sachsen getan. Man erhält damit auch die Möglichkeit bestehende Materialien durch Schüler / Studenten für das Netz umsetzen zu lassen. Interesse fand das neue Funknetzwerk des LTBZ Mobile.

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2. ITC in der Primaryschool

Das Unterrichtsfach IT (Informations- und Kommunikationstechnologien) ist Bestandteil der Hauptfächer der Grundschule und in einem nationalen Curriculum verankert. Mit seinen Bereichen:

hat die englische Grundschule einen auf modernste IT abgestimmten Lehrplan und mit dem Programm National Grid for Learning auch die Mittel, diesen Umzusetzen. Durch dieses Konzept sind die Schüler Englands unseren deutschen Schülern um 5 Jahre in moderner Bildung voraus.
Durch den Einsatz von einheitlicher Technik und landesweit altersgerechter Software ist eine Gleichberechtigung aller Schüler gesichert.
Mit Hilfe von zentralen Fortbildungsprogrammen wird der notwendige Kenntnisstand der Lehrer gesichert.
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3. Vorstellung National Grid for Learning

Bereits 1997(!) verabschiedete die Regierung ein landesweites Projekt zur Förderung des Einsatzes moderner Mittel und Methoden und zur Umstrukturierung des Lernens in der Schule in ein "lebenslanges Lernen". Durch den Einsatz verschiedener finanzieller Mittel (Steuern, Lottoeinnahmen,...) können so für die Bildung notwendigen Finanzen bereitgestellt werden. Die Erkenntnis: Bildung verlangt Investitionen für die Zukunft wurde durch landesweite Befragungen zum Programm mehrheitlich begrüßt und unterstützt.
Beachtlich ist der Umfang der Initiative. Neben der Veränderung in allen Schularten wird Schwerpunkt auf die Lehrerbildung gelegt. Aber auch nach der Schule hört es nicht auf. So soll durch die Öffnung der Schulen (im Sinne des Wortes, nicht wie bei uns nur scheinbar) vor allem Eltern die Möglichkeit geboten werden, die Mittel der Schule für ihre persönliche Fortbildung zu nutzen und so mit ihren Kindern in der IT Bildung gleichzuziehen (Sozialaspekt). Auch zur Umschulung von Arbeitslosen werden die Möglichkeiten der Schule genutzt.

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4. ITC in der Secondaryschool

Schwerpunkt ist der Einsatz des Computers als Unterrichtsmittel. Es gibt einen nationalen Lehrplan, wo in welchem Fach IT eingesetzt werden soll. Die Schulen sind ausgestattet mit mehreren Kabinetten zu je 16 Computern(zwei pro Schüler) oder mehreren Computern in jedem Klassenraum.
Das Curriculum legt über Keystage 1-4 eine Alterszuordnung von spiralförmig aufgebauten Lerninhalten fest. Zusätzlich sind folgende Punkte bemerkenswert:

Neben dem Lehrplan gibt es eine Reihe von Initiativen oder Projekten:
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5. Schulreporte im Netz

Jede Schule wird alle 4 Jahre von einem Inspectorenteam inspiziert. Der Bericht des Teams wird als Schulreport veröffentlicht. Jedes Elternteil bekommt diesen Bericht und alle Berichte sind im Internet zu finden unter:
http://www.ofsted.gov.uk/
Damit wird die Schule wirklich öffentlich und jeder kann sich seine Meinung über die Schule bilden. Damit können die Eltern besser entscheiden, auf welche Schule sie ihr Kind schicken. Da die Schülerzahl Grundlage für finanzielle Mittel der Schule ist, bemüht sich jede Schule, einen guten Bericht zu erhalten...

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6. Arbeitsgruppe Teacher Training

Die Schulen erhalten Geld für die Fortbildung der Lehrer. Die Fortbildung wird durch staatlich anerkannte Fortbildungsinstitute durchgeführt. Als Referenten arbeiten Fachleute aus dem Schulbetrieb (Inspectoren, Adviser und Lehrer aus den Schulen), keine Fremdfirmen. Die Fortbildungszentren sind über das Land verteilt oder nutzen Stützpunktschulen um Fahrkosten und Zeit zu sparen. Geht es um schulspezifische Fortbildung, wird der Kurs in der jeweiligen Schule durchgeführt. Dabei werden die 5 Fortbildungstage der Lehrer (Schüler 190 Schultage, Lehrer 195 Schultage) genutzt. Durch Fortbildung eines Kollegen fallen an der Schule keine Stunden aus. Damit der Kursinhalt auf die Teilnehmer besser abgestimmt werden kann, werden bei der Anmeldung Fragebögen zur Evaluation des Ausbildungsstandes des Lehrers mit ausgefüült. (leider können die Lehrer aber ihren wahren Ausbildungsstand schlecht einschätzen) Deshalb versucht man zwei Trainer pro Kurs einzusetzen, um so besser differenzieren zu können.
Innerhalb der drei Jahre des Förderprogramms erhält jeder Lehrer einen Grundkurs in IT über 3 Tage. Onlinekurse werden wegen des fehlenden sozialen Aspekts nur zur Ergänzung und zur Betreuung angeboten.

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7. Arbeitsgruppe ECO Schools in GB

Zur Umwelterziehung gibt es einen nationalen fächerübergreifenden Lehrplan. Dieser schreibt Inhalte für viele Fächer vor. Besonders fächerübergreifende Projekte sollen gefördert werden. Eines dieser Projekte ist die Eco Schule. Diesen Titel erhält eine Schule nicht auf Dauer, sondern muss ihn wieder verteidigen. Schulen sind besonders an länderübergreifenden Projekte mit Hilfe des Internet interessiert. Gerade die Möglichkeit des Austauschs der Kinder über die Grenzen fördert die Selbstachtung der Teilnehmer. Leider sind in Deutschland kaum Schulen (aus Sachsen keine) vertreten. Dabei könnten wir in Sachen Umweltschutz und Recycling doch gerade viele Erfahrungen beitragen. Weiter Informationen findet man auf den Seiten der Umwelterziehung:
http://www.sln.org.uk/green/

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8. Beginn gemeinsamer Projekte im Internet

Als erste Basis zur weiteren Zusammenarbeit wurde eine gemeinsame Tauschbörse für Internetprojekte zwischen sächsischen Schulen und Schulen aus Staffordshire auf den beiden Bildungsservern eingerichtet.
http://www.sln.org.uk/kontakte
Die Zusammenarbeit der Bildungsserver soll in Zukunft verstärkt werden. Die Einrichtung einer gemeinsamen Materialbörse wäre als nächster Schritt denkbar.

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9. Zusammenfassung

Da in Sachsen leider nicht das britische System übernommen werden kann (aus Sicht der Finanzierung, der Schulpolitik und des Datenschutzes), sollte man überlegen, welche Erfahrungen trotzdem in Sachsen umgesetzt werden können und welche Maßnahmen unbedingt nötig sind, um nicht noch weiter in Entwicklungsrückstand zu geraten.
Investition in das Bildungssystem ist Investition in die Zukunft, weiterhin Bildung zum Nulltarif zu produzieren kann auf Dauer nicht funktionieren. Studien wie TIMMS zeigen dabei nur die Spitze des Eisbergs, in dem Einsatz von IT hinken wir anderen Ländern um bis zu fünf Jahren hinterher!

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Heiko Neupert
Kurort Berggießhübel, den 25.04.99

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Letzte Änderung am 25.04.1999
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