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01.06.2015

Wissenswertes

Prof. Julius-Ambrosius Hülße

Geboren 1812 am 02.05. in Leipzig (Sohn des Salzverwalters Ambrosius Hülße)
Gestorben 1876 am 26.06. in Dresden

Der Namensgeber für unsere Schule ist eine interessante aber relativ wenig bekannte Persönlichkeit aus dem Sachsen des 19. Jahrhunderts. Er wird als Technologe und Mathematiker bezeichnet. Hülßes Verdienste liegen in der erfolgreichen Leitung und Entwicklung der Gewerbeschule Chemnitz (heute TU Chemnitz) und später der Polytechnischen Bildungsanstalt zu Dresden (heute TU Dresden).

Weniger bekannt, aber außerordentlich interessant, ist seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten im damaligen Königreich Sachsen sowie seiner maßgeblichen Beteiligung auf diesem Sektor im Deutschen Reich. Wir können ihn heute zu Recht als "Vater des sächsischen Urmeters" bezeichnen. Seine Vorbereitungsarbeiten bezüglich der Einführung des metrischen Maßsystems haben 1858 direkt zu den notwendigen Gesetzesbeschlüssen im damaligen sächsischen Landtag geführt. Ein anderes Verdienst liegt in seinem Mitwirken an der Entwicklung des Maschinenbaustandortes Chemnitz. Der Maschinenfabrikant Hartmann war ein naher Bekannter und unmittelbarer Arbeitspartner für ihn als Gewerbeschuldirektor in Chemnitz.

Über das gesamte Leben verband ihn eine enge Freundschaft mit seinem ehemaligen Leipziger Schulkameraden, Albert Christian Weinlig. Dieser außerordentlich begabte Sachse wurde mit 34 Jahren hoher Referent im Innenministerium und trug für viele industrielle und wissenschaftliche Fortschritte in Sachsen eine unmittelbare administrative Verantwortung. Seine überaus erfolgreiche Tätigkeit brachte ihm, einem Sohn des Thomaskantors, die Freundschaft des sächsischen Königs ein. 
Die Beteiligungen des Königreich Sachsens an den Weltausstellungen im 19. Jahrhundert waren eine bedeutende internationale Präsentation für unser aufstrebendes Industrieland. Sie hatten eine unmittelbar befruchtende Wirkung auf sächsische Industriebetriebe und viele allgemeine technische Entwicklungen. So war Weinlig folgerichtig für die Ausstellungspolitik der kgl. Regierung zentral zuständig. Von Zeitgenossen wird er als der "gewiegteste Ausstellungsorganisator" beschrieben. Hülße hatte in seinem Auftrag einige Weltausstellungen zu besuchen, in deren Jurys mitzuarbeiten, umfassend technische Unterlagen und Nachrichten zu sammeln und alles in einem Abschlussbericht niederzulegen. Das erbrachte für Hülße eine für seine Zeit ungewöhnliche Kenntnis über gewerbliche und industrielle Entwicklungen in Europa, die für die strukturelle Weiterentwicklung der Polytechnischen Bildungsanstalt Dresdens wiederum von unschätzbarem Nutzen waren.
Hülßes Wirken für Sachsen ist ohne einer Betrachtung der Freundschaft zu Weinlig nicht ausreichend zu verstehen. Die Folgewirkungen dieser Verbindung beider Personen sind kaum zu überschauen und heute leider fast vergessen.

In seinen letzten Lebensjahren leitete Hülße das Statistische Bureau im königlich sächsischen Innenministerium und veranlasste erstmalig die Herausgabe eines jährlichen statistischen Berichtes über Sachsen.

 

 

Bauhausstil - unser Schulgebäude

Unser Gymnasium verdankt seine architektonische Hülle einer fortschrittlichen und weltweit bekannten Entwicklung, die der Bauhausschule in Weimar und später in Dessau entstammt. Den günstigen kommunalpolitischen Konstellationen Dresdens in den 20er Jahren ist es zuzuschreiben, daß unsere Schüler noch heute in einem Gebäude mit großzügigem Raumkonzept lernen können.

Der Architekt, der das Gebäude der damaligen 45. Volksschule (heute Hülße-Gymnasium) schuf, war Stadtbaurat Dr.-Ing. Paul Wolf (1873-1957). Seine damalige Stellung in der Stadtverwaltung entspricht der heutigen Funktion des Bürgermeisters für Stadtentwicklung und Bau. Paul Wolf schuf u.a. die Ilgen-Kampfbahn (heute Dynamo-Stadion) sowie das Georg-Arnhold-Bad (1923-26). Eine besondere, leider nur zeitweilige Architekturepoche unter seiner Leitung stellen die Ausstellungsbauten auf großen Dresdener Ausstellungen in den 20er Jahren dar. Der Gesamtbebauungsplan und einzelne Bauten (Sport- und Stadthalle) für die II. Internationalen Hygiene-Ausstellung 1930/31 stammen von ihm. Die Ausstellung, an der sich 20 Nationen und weitere internationale Organisationen beteiligten, zeigte atemberaubende moderne Architektur. Die geometrischen Grundformen unseres Schulgebäudes, unter Verzicht auf Kurven und Abrundungen, erkennt der Betrachter beim Vergleich mit den Ausstellungsbauten jener Zeit deutlich wieder.
Im Ausstellungskatalog schreibt man: "Fortschrittliche Großstädte überwinden die Schulpaläste, sie bauen nicht mehr in die Höhe, sie gliedern in die Breite. ... Sie verpflanzen die Schule in den Grüngürtel der Stadt ...Selbst mit geräumigen Gartenflächen ausgestattet, wird sie so zur Freiluftschule."

Der großzügige Schulneubau zwischen 1927 und 1929 an der Hülßestraße im Stadtteil Reick, zugunsten der jungen Generation in einer wirtschaftlich sehr schweren Zeit errichtet, ist dem zielstrebigen Wirken des ungewöhnlich weitsichtigen Oberbürgermeisters Bernhard Blüher zu verdanken. Dieser hatte in Mitte der 20er Jahre in Dresden ein Schulbauprogramm aufgelegt, in dessen Folge mehrere Schulbauvorhaben umgesetzt wurden. Dieses Programm fand bis 1929 seine Fortführung und musste wegen der gesamtwirtschaftlich begründeten schlechten Haushaltlage Dresdens eingestellt werden. Unsere Schule erhielt im Jahre 1930 noch nachträglich ihren Arbeitsschulgarten.
Im Eröffnungsjahr (1929) unserer Schule existierten in Dresden insgesamt 84 städtische Volksschulen mit 49.409 Schülern.

Der Gebäudekomplex an der Hülßestraße im Bauhausstil zählt zu den größten schulischen Zweckbauten dieser Epoche und damals zu den modernsten seiner Art in Europa. Es besitzt neben Klassenräumen und Fachkabinetten zwei übereinander liegende Turnhallen, einen Kinosaal (heute Aula), ehemals ein Brausebad im Keller, Trinkwasserbrunnen sowie Freilicht-Klassenzimmer für den Unterricht in den warmen Monaten. Das Gebäude spiegelt damit reformpädagogische Ansätze der damaligen Zeit wider und folgt den städtebaulichen Schlussfolgerungen aus der Internationalen Hygiene-Ausstellung von 1911 in Dresden.

 

 

Motivation zum Lernen

 

Vom Widerspruch zwischen Wollen und Können

Lernen ist Instinkt. Wir sind von Natur aus auf Lernen programmiert. Dabei erlernen wir Fähigkeiten (Methoden) besser als reine Fakten. Der Lernprozess vollzieht sich automatisch. Wir lernen immer mit einem bestimmten Ziel. Das Ziel ergibt sich aus dem bewusst empfundenen Widerspruch zwischen Können (Ist-Zustand) und Wollen (Soll-Zustand). Diesen Widerspruch aufzuheben, bildet das eigentliche Lernmotiv. Lernen selbst ist der Weg dorthin.

Nicht nur das Entdecken und Enträtseln von Unbekanntem oder das Ausprobieren und Meistern von Neuem macht uns Freude, sondern ebenso das Anwenden und der Genuss der dadurch erfahrenen Anerkennung wird als sehr lustvoll empfunden. Eigene, selbst bestimmte Motive sind immer stärker, dauerhafter und tragfähiger als fremde, übernommene. Darüber hinaus prägen der subjektiv empfundene Wert und die Erfolgsaussichten für das Lernergebnis die Motivation entscheidend.

Durch gezieltes Hinterfragen innerer Einstellungen, Visionen und Vorbilder, durch Übertragung von Kompetenzen und Verantwortung sowie nicht zuletzt durch eine motivierende, ansprechende und inspirierende Lernatmosphäre werden verinnerlichte Motive bestärkt und gefördert. Die Stärke einer Motivation hängt von früheren Erfahrungen mit Erfolg und Misserfolg ab, aber auch davon, welche Folgen unsere Anstrengung für uns haben:

Sowohl Belohnungen als auch Sanktionen wirken stets verstärkend auf eigene Motive.

Die motivierenden Wirkungen von Belohnung bzw. Sanktionen werden auf die Lernmotivation direkt übertragen. "Zugmittel" (=Belohnungen) wirken dabei immer stärker als "Druckmittel" (=Sanktionen).

Falsch angewandte Belohnung kann die Motivation senken, anstatt sie zu erhöhen, besonders wenn die Belohnung nicht von der Leistung abhängt, die zum Erreichen des Lernziels notwendig ist.

Ignorieren von Lernergebnissen tötet tendenziell jede noch so starke Motivation ab. Deshalb ist eine Bewertung, sei es auch eine schlechte, immer besser als keine Bewertung. Fehlende Bewertung erzeugt fehlende Orientierung für den Lernenden.

Mehrfaches Versagen kann zu Resignation führen: Es wird schließlich gar nicht mehr der Versuch unternommen, das Lernziel zu erreichen, selbst wenn sich die Situation so ändert, dass es sehr leicht erreichbar wäre.

 

 

Buchtipps

 

Literaturtipp:

Manfred Spitzer: "Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens" erschienen 09/2006 im Spektrum Akademischer Verlag, ISBN: 3-8274-1723-6

Kurzrezension:

Neueste Ergebnisse der Hirnforschung im Plauderton. Die vergangenen zehn, 15 Jahre haben hier Erstaunliches ergeben: Lernen funktioniert in vieler Hinsicht anders, als bisher angenommen. Der Autor möchte zeigen, dass tief greifende Reformen von Schule und Bildungswesen unausweichlich sind. Wichtig für Eltern, Erzieher, Lehrer und Professoren.

Nicht alles wirkt dann sensationell: Dass ständiges Abprüfen gerade erworbenen Wissens dazu führt, dass unser Hirn nach der Klassenarbeit Gelerntes sofort wieder vergisst, lehrt die Erfahrung. Dass niemand unter Angst und Schrecken nachhaltig lernt, auch. Aber dass sich die altbekannte Beobachtung, nur ein von seiner Sache begeisterter Lehrer erziele Erfolge, biologisch begründen lässt, ist dann doch bemerkenswert.

 

 

Disziplin im Klassenzimmer

Bewährtes und Neues: ein Erziehungsprogramm aus der Praxis
Dieter Krowatschek, Gita Krowatschek, Gordon Wingert
198 S., Lichtenau, 2006
ISBN 3-89111-840-6 (ca. 20,00 €)

Dieses Buch kann man als Knüller bezeichnen. Die drei Autoren trugen einen Schatz an Alltagserfahrungen und Alltagsmethoden zusammen. Obwohl es mehr ein Arbeitsmaterial für Lehrer sein wird, hilft es interessierten Eltern zur Entwicklung von Verständnis und Begleitungsbereitschaft des schulischen Alltags. Gut gegliedert und thematisch hervorragend akzentuiert finden die Leser hilfreiche Denk- und Handlungsanleitungen. Wichtige Standardprobleme des Lern- und Lehralltags werden behandelt. "Ein Kind zu erziehen ist leicht. Schwer ist nur, das Ergebnis zu lieben. (W. Schneyder)"

Lesen, Kommunizieren und weiterempfehlen! Mehr muss man zu diesem Buch nicht sagen! (11/2006 F.H.)

 

Erfolgreich durchs Gymnasium

Was Eltern wirklich wissen sollten
Dieter Kuhnert
198 S., München, 2002
ISBN 3-466-30581-0 (14.95 €)

Ganz ähnlich wie "Disziplin im Klassenzimmer" gibt dieses Werk wichtigen Aufschluß und Hilfestellungen für eine pädagogisch-erzieherisch klug gestaltete Schullaufbahn. Es richtet sich vorrangig an Eltern. Als gutes Arbeitsmaterial ist es auch Lehrern zu empfehlen. Der pädagogisch sehr erfahrene Autor, selbst gymnasialer Lehrer, schildert in liebenswürdiger Erzählung viele Einzelfälle bzw. Gesprächssituationen. Die wichtigsten Erkenntnisse und Ratschläge findet man in optisch hervorgehobenen Textfeldern. Große Klasse und danke Herr Kuhnert! (11/2006 F.H.)

 

 

 

 
 
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