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 Planung, Gründung und erste Jahre der Zentralschule 

AUS DER SCHULGESCHICHTE AUERBACHS

Unsere 3 Türme



Mit der Entwicklung der Weißwarenindustrie in Auerbach Ende des 19. Jahrhunderts wächst die Zahl der Einwohner und damit auch die der Schüler.

Schuldirektor Gorges wendet sich immer wieder an den Schulausschuß, die Königliche Schulinspektion und an den Stadtrat mit der dringenden Bitte, die schlechten Raumbedingungen im Schulwesen der Stadt Auerbach zu beheben. Er weist darauf hin, daß sich die Anzahl der Schüler jährlich um ca. 50 erhöht. Von 1893 bis 1895 wächst sie sogar um 141 auf 1395 an. 36 Klassen werden in 3 Schulgebäuden unterrichtet, die alle einen ungenügenden Bau- und Ausstattungszustand aufweisen. Sein Antrag, wenigstens weitere "Schullokalitäten" bereitzustellen, lehnt Bürgermeister Kretzschmar noch zu Beginn 1895 als unbegründet ab.

Im weiteren Verlauf des Jahres wird aber doch wegen des wachsenden Druckes der Öffentlichkeit der Bau eines neuen Schulgebäudes in Aussicht genommen. Am 30. Oktober 1895 beschließt der Schulausschuß, dem Bau eines Zentralschulgebäudes zu beantragen. Er begründet diesen Antrag damit, daß

  1. die Einrichtung von Schulzimmern in Privatgebäuden schwierig und unzugänglich sei,

  2. die Einrichtung eines erwogenen sogenannten Barackenbaus das Problem des Auerbacher Schulwesens auf längere Sicht ebenfalls nicht löse und auch nur unzureichenden Bedingungen für den Unterricht biete und

  3. die notwendigen finanziellen Mittel derzeit unter besonders günstigen Konditionen zu beschaffen sein.


Dem Bau einer Zentralschule gibt er den Vorrang gegenüber der Einrichtung von Bezirksschulen, weil Auerbach wohl nach der Zahl seiner Einwohner wächst, aber die räumliche Ausdehnung Bezirksschulen nicht rechtfertigt.

Bild unserer Schule im Jahre 1898

Direktor Gorges verbindet den Bau einer Zentralschule mit folgenden Forderungen, die er, ausgehend von einer Einwohnerzahl von 11000 bis 12000, an die Königliche Schulinspektion richtet: 30 Lehrzimmer, 1 Zeichensaal, 1 Zimmer für "weibliche" Arbeiten, 1 Physikzimmer, 1 Bibliothek mit Lehrmitteln, 1 Sammelzimmer, eine Aula, 1 Turnhalle und Abortgebäude.

Als Standort wird die bereits von der Stadtgemeinde erworbene Keffels Wiese vorgesehen; das Grundstück muß durch die Schulgemeinde von der politischen Gemeinde gekauft werden. Da man großen Wert darauf legt, daß die Hauptfront zur Stadt zeigt, muß noch weiterer Grund von der sogenannten Kantors Wiese erworben werden. Die Größe des Schulgebäudes soll den Raumbedarf auf lange Zeit sichern.

Am 6. November 1895 beschließt diesen Bau die Stadtverordnetenversammlung, am 25. der Stadtrat und am 29. die Königliche Schulinspektion Auerbach. In der Aufgabenstellung folgt man im wesentlichen dem Vorschlag der Schuldirektors Gorges.

Die Firma Ludwig & Hülssner Leipzig, die sich auf die Erbauung von Schulgebäuden spezialisiert hat, erstellt 1895/96 zunächst den Bauriß. Ihre Bautätigkeit erstreckt sich vom Rhein bis zum damaligen Sudetenland und Schlesien. In Vogtland hat sie bereits von 1895 die Schule in Markneukirchen errichtet. Am 10. Januar 1896 legt ihr Architekt Jummel seinen Bauriß dem Stadtrat vor. Er weist eine Bausumme von 300.000 bis 312.000 Mark aus.

In der Folgezeit allerdings kommt es zu unschöner Auseinandersetzungen zwischen dem Stadtrat Auerbach und der Leipziger Firma. Bereits vor den Verhandlungen hat die Firma darauf hingewiesen, daß sie die Baudurchführung im Jahre 1896 nicht übernehmen könne. Aber erst durch einen Artikel in der Leipziger Zeitung erfährt Ludwig & Hülssner, daß der Stadtrat den Auftrag mit der Begründung, er sei ein "Sohn der Stadt", an den Leipziger Architekten Lange vergeben hat.

In einem Brief an den Stadtrat beklagt sich die Firma darüber, daß ihnen ein solches Geschäftsgebaren bisher noch nicht begegnet sei, zumal das Projekt des Architekten Lange bis ins Detail dem Bauriß des Architekten Jummel folge. Aber die Würfel sind gefallen. Mit dem 12. März 1896 ist Lange unter Vertrag. Sein Projekt weist eine Bausumme von 350.000 Mark auf.

Beim Direktorium des Landwirtschaftlichen Kreditvereins nimmt die Stadt ein Darlehen in Höhe von 400.000 Mark zu 3 % Zinsen und einer Laufzeit von 49 Jahren auf. Durch die sich im Laufe des Jahres 1896 veränderte Finanzlage erhöhen sich Kreditsumme und Zinssatz aus 450.000 Mark zu 4 % Zinsen.

Der Bau der Zentralschule beginnt. Sie ist ein Langhaus mit zweibündigem Korridor. Einem dreistöckigen Mittelbau schließen sich links und rechts je ein zweigeschossiger Flügelbau an mit getrennten Eingängen, getrennten Treppenhäusern, Ausgängen, Aborten und Spielplätzen.

Nach zweijähriger Bauzeit wird die Zentralschule am 23. April 1898 eingeweiht. Diesen Samstag erklärt der Stadtrat zum Feiertag, da die Einweihung mit dem 70. Geburtstag und dem 25jährigen Regierungsjubiläum des Königs von Sachsen gefeiert wird.


  1. Das Stadthaus I (jetzige Superindendentur, Kirchplatz 4) wird zur Realschule mit Progymnasium.

  2. Das Stadthaus II (die sogenannten Knollschen Häuser, jetzt Wohnhaus, Kirchplatz 7) nimmt das Standesamt der Stadt auf.

  3. Das Stadthaus III (das sogenannte neue Schulhaus, Kirchstraße 1) wird zur Gewerblichen Fortbildungsschule.

Auch in der weiteren Nutzung der ehemaligen Schulgebäuden folgt man größtenteils den Vorschlägen des Schuldirektors Gorges:

Aber bereits am 9. Juli 1905 bricht um 13.00 Uhr ein Brand im Mittelteil der Schule aus, der die Aula mit ihrer wertvollen Orgel, ihre Ausstattung und die Turmuhr fast völlig zerstört.

Der Schulausschuß drängt, schon wegen des äußeren Anblickes, auf schnelle Instandsetzung. Dabei wird auch in Erwägung gezogen, die Aula nicht mehr in alter Größe entstehen zu lassen, sondern sie in 3 Räume - einem größeren und zwei kleinere - aufzugliedern. Man will damit die Voraussetzungen für die Aufnahme der Realschule in die nicht ausgelastete Zentralschule erreichen.

Die Auseinandersetzungen innerhalb der Stadtverordneten, des Schulausschusses und des Stadtrates darüber werden zum Teil auch öffentlich in der Presse ausgetragen. Am 20. Juli aber beschließt der Stadtrat, die Aula in alter Größe beizubehalten. Die Instandsetzungsarbeiten beginnen bereits im August 1905.

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