Das 10. Schulmusiksymposium in Meißen (Meißener Tage der Schulmusik) war ein voller Erfolg: Das Haus war bis zum letzten Platz gefüllt, die Atmosphäre stimmig, die Workshops interessant, die theoretischen Beiträge kurzweilig... Manches kann man sofort im Unterricht einsetzen, manches diente vorrangig der eigenen Profilierung, alles jedoch war vorwärtsbringend. Ein dickes Dankeschön wie immer an den Organisatoren Henno Kröber, an die vielen Teilnehmer für ihr freudvolles Mitmachen, an die Referenten... Das nächste Schulmusiksymposium findet am 13. und 14. November 2009 statt.
[Sie möchten sich gern zu einem der Workshops oder Vorträge äußern? Dann schicken Sie bitte eine E-Mail an georg{at}Biegholdt.de. Vielen Dank!]
So sah es am Freitagmorgen aus: Die Nebel über dem Elbtal lichteten sich, Schloss Siebeneichen strahlte in den ersten Sonnenstrahlen und machte sich bereit für den Ansturm von 120 Musiklehrern...
Der erste Vortrag von Ralf Ballmann aus Zwickau zur Thematik "Einblicke in die Grundlagen der Neurodidaktik - Wie lernen wir (erfolgreich)" war bereits ein interessanter Einstieg in das Symposium. Hier ist das PDF zu seiner Power-Point-Präsentation herunterzuladen.
Ein Einsingen mit Gunther Berger (Leiter des mdr-Kinderchores in Leipzig) ließ es dann sofort musikalisch werden.
Es folgte eine erste Workshop-Schiene, in der insgesamt fünf verschiedene Workshops angeboten wurden:
Die peppige Musicalchoreographie für Nichttänzer In diesem Mini-Musicalworkshop mit Gabi Schmidt ging es um die Kombination von Singen und Tanzen. Im Blickpunkt stand dabei die leichte, aber dennoch peppige Musicalchoreographie, die den Textinhalt unterstützt und selbst von "Nichttänzern" umgesetzt werden konnte. Am Beispiel eines bekannten Musicaltitels wurde das gleichzeitige Singen und „Bewegen“ zunächst selbst geübt. Anschließend wurden erste Anregungen für den eigenen „inhaltlichen“ Choreographieentwurf gegeben.
Rhythmus für Kids - Eine spielerische Entdeckungsreise mit allen Sinnen für die Grundschule Die Schulung der musikalischen Wahrnehmung-, Erlebnis-, Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeit standen im Zentrum dieses Workshops. Dabei halfen Imitationsspiele die rhythmischen Sinne zu schärfen und Puls und Metrum auf den eigenen Körper zu übertragen. Klatschend, sich bewegend und dichtend wurden Taktarten entdeckt und die Koordination von Körper und Geist stimuliert. Und nicht nur die Kinder verbessern durch kreative Trommelspiele Rechts-Link-Differenzierung und Motorik. Nicht zuletzt stellte Richard Filz viele lustige Sprechstücke und sog. Rhythmicals vor, um die erlernten Fähigkeiten zu festigen und bei jedem Schulkonzert ein kleines Highlight parat zu haben.
Keine Angst vor dem Klavier - Bausteine Liedbegleitung, einfach und wirkungsvoll In diesem Workshop wurden einfache Begleitmuster am Klavier vorgestellt und von den Kursteilnehmern zwanglos ausprobiert. Das neu kennen gelernte Material konnte gefestigt und geübt werden. Außerdem konnte es an einem konkreten Liedbeispiel aber auch an von den Teilnehmern mitgebrachtem und „vorgeübtem“ Material ausprobiert werden.
Erlebnis Tanzen Im Workshop von Anna Fingerhuth wurde u.a. diesen Fragen nachgegangen: Wie reagiert der Körper auf Musik - wenn er darf. Welche Rahmenbedingungen sind gut, um den Tanz als noch unerfahrener Mensch kennen zu lernen? Können auch „normale Leute“ – Schüler und Lehrer – von ihm profitieren? Und wenn ja: was genau hat Musik damit zu tun? Wie kann sie beim Tanzen helfen und wie passt sich der Tanz ihr an? Tanzen kann in unserem Alltag sehr schwer sein; Tanz ist in unserer Kultur als tägliches Ausdrucksmittel wenig präsent, dennoch erntet er viel Bewunderung.
Chorarbeit im Unterricht und danach Im Workshop mit Gunther Berger ging es neben der praktischen Erprobung auch um die vielen kleinen Tipps und Tricks, die sich aus langjähriger Erfahrung ergeben und die Chorarbeit mit Kindern und Jugendlichen manchmal erleichtern können und zum Erfolg des gemeinsamen Tuns einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten.
Kein Workshop, doch trotzdem ein interessantes Angebot: Irmgard Krauthoff hat ein Buch mit eigenen Liedern herausgegeben. Die von vielen noch gut gekannte Lehrerbildnerin und Schulbuchautorin (langjähriges Mitglied des VDS) stand den gesamten Freitag für Gespräche um die Neuerscheinung zur Verfügung. Auf die Publikation wird an anderer Stelle dieser Internet-Seite verwiesen.
In der zweiten Workshopschiene gab es ebenfalls vier Angebote - es war schwer sich zu entscheiden:
Gute alte und gute neue Lieder zur Weihnacht Viele hatten es sich gewünscht, Ulf Firke kam der Bitte nach: Verschiedene Weihnachtslieder wurden z.T. auch mehrstimmig gesungen. So kam zwei Wochen vor dem ersten Advent bereits etwas weihnachtliche Stimmung auf.
Chorarbeit im Unterricht und danach Im zweiten Workshop mit Gunther Berger ging es noch einmal um die selbe Thematik, doch diesmal blieb mehr Zeit zum Vertiefen, da der Raum nicht so voll (eigentlich überfüllt) war, wie in der ersten Workshopschiene.
Cajon - die Kiste mit dem tollen Sound Richard Filz Immer beliebter wird die „Kiste“ mit dem tollen Sound. Ursprünglich war die Cajon eine Transportkiste für Fische oder Früchte. Heute ist die Cajon ein überaus professionell gefertigtes Percussions-Instrument, das unheimlich vielseitig einsetzbar ist. Man findet die Cajon in traditioneller cubanischer, peruanischer und spanischer (z.B. Flamenco) Musik ebenso wie bei „unplugged“ Konzerten von Pop und Rockstars. Dort wird sie anstelle eines Schlagzeuges eingesetzt. Die Möglichkeit mit der Cajon Schlagzeugrhythmen zu imitieren bietet auch einen einfachen und attraktiven Einstieg für die Arbeit mit der Klasse. Beim abschließenden Cajon-Rap konnten die Rhythmen gleich als Rapbegleitung angewendet werden.
Wer singend spielt wird spielend singen - musicaltypischer Gesang "in der Rolle" In diesem Workshop von Gabi Schmidt ging es um die Kombination von Gesang und Schauspiel: Es wurde „erlebt“, wie sich die eigene Stimme verändert, wenn man konsequent aus der gespielten Rolle heraus singt (z.B. als Betrunkener). Durchspielerische Übungen und praktisches Arbeiten an einem Song wurde erfahren und reflektiert, wie man Schüler dazu anleiten kann, stimmlich und schauspielerisch in eine andere Person zu „schlüpfen“.
Die Mitgliederversammlungen der Verbände begannen zunächst getrennt (schließlich gibt es in jedem Verband Interna, wie den Kassenbericht oder Vorstandsfragen) um dann - nun schon traditionell - in einen gemeinsamen Teil zu münden. Hier ging es dann u.a. um diese Homepage, das nach wie vor brennende Problem der Grundschulmusiklehrerausbildung in Sachsen, den in Halle stattfindenden Bundeskongress 2009 u.a.
Der nächste Teil des Abends war dem Doppelkonzert von Almuth Grimmer (piano) und den Pantoffelhelden (a capella) gewidmet. Besinnlich jazzig war der Einstieg, witzig und komödiantisch der Ausklang. Beide Teile des Konzertes fanden großen Anklang - vielen Dank noch einmal an die Vortragenden.
Der Freitagabend wurde beendet im Schlosskeller, wo einige noch mehrere Stunden sangen und Gedanken austauschten. Der Samstagmorgen begann dann noch einmal mit Gunther Berger, der die Teilnehmer musikalisch in Schwung brachte.
Maria Spychiger hielt anschließend einen Vortrag unter dem Titel "Musiklernen als Ko-Konstruktuion", in dem sie vor allem auf individuelle und soziale Dimensionen musikalischer Erfahrungen und musikalischen Lernens einging. Ihre Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass der Koordinierung musikalischer Handlungen beim Musiklernen ein besonderer Stellenwert zukommt. Einige interessante und durchaus kurzweilige Beispiele dokumentierten dies in eindrucksvoller Weise.
Die dritte Workshopschiene unterbreitete insgesamt sechs Angebote, von denen drei Wiederholungen vom Freitag darstellten: Erlebnis Tanzen, Keine Angst vor dem Klavier und die Peppige Musicalchoreographie für Nichttänzer.
Beatboxing und Rap Richard Filz unterbreitete ein drittes Angebot: P z psch z p p psch f - so klingt das, wenn man mit der Stimme ein Schlagzeug imitiert. Diese Technik, Beatboxing genannt, wurde gleich ausprobiert und als Rapbegleitung angewandt. Außerdem lernten die TeilnehmerInnen anhand von ausgewählten Beispielen verschiedene Rap-Stile kennen. Kursinhalte waren u.a. Beatboxing, Rap, Tipps zur Mikrofontechnik, Mischpulteinstellung und Anlage.
Unterricht mit Instrumenten – immer noch kein Kinderspiel? Der Tatsache, dass viele Musiklehrer methodisch- didaktische Hinweise für die Arbeit mit dem neuen Lehrplan zum praktischen Musizieren benötigen, kam dieser Workshop von Ulf Firke entgegen. Es wurden verschiedene Kombinationen der an der Schule vorhandenen Instrumente (z. B. Flöten, Orff- Instrumente, Schlagzeug, Bandinstrumente, Percussion, Keyboards) erprobt und neue, lehrplanadäquate leichte Sätze zur sofortigen Anwendung im Unterricht vorgestellt.
Musikalische Biografie Anliegen von Maria Spychigers Workshop war es, die Musiklehrer zur Selbstreflexion zu ermuntern und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Teilnehmer nahmen die Herausforderung an. Ein gutes Beispiel dafür, dass in Musiklehrerfortbildungen nicht immer Musik stattfinden muss - und sie trotzdem ganz wichtig sein können.
Gegen Ende des Symposiums folgten noch einmal zwei Veranstaltungen im Plenum. Zum ersten war dies ein Vortrag, in dem Hit-Radio-RTL-Moderator Mark Mathew unter dem Titel "Zielgruppe Hörer" erklärte, wie die Musik des Radioprogramms zusammengestellt werden. Den Abschluss bildete dann Richard Filz mit "Rhythmischem Klassenmusizieren" - fast hätten die Teilnehmer vergessen, dass sie ja auch einmal nach Hause müssen.